Randale vom Feinsten

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Alles was Recht ist Rubrik, Polizei

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Von Eisele

Eine schöne laue Sommernacht.... nur leider unterbrochen vom Lärm eines offensichtlich äußerst zornigen Mitbürgers irgendwo in der näheren Umgebung. Leider ließ das Toben und Schreien, welches mal näher, mal weiter weg schien, nicht nach, schließlich kamen zu den unflätigen Verwünschungen in sowohl deutscher als auch französischer Sprachgewalt dann auch noch Schlag- und Tretgeräusche dazu, welche mich umgehend aus dem Bett trieben, da ich im Geiste schon jemanden mein armes Auto demolieren sah, welches das Pech hatte, ebenfalls da draußen in dieser feindseligen Welt auszuharren.

Unglücklicherweise war es mir auch nicht möglich, den Störenfried zu orten, (um ihm ein Tesaband über den Schnabel zu kleben.. .), weil das Echo im Hinterhof keine Lokalisation des Gebrülls zuließ. An diesem Punkt hatte ich nun aber die Polizei, mein Freund und Helfer, angerufen, da ich vermutete, dass der vermeintliche Randalierer gerade dabei ist, sämtliche geparkten Autos in unserer Straße oder in der Parallelstraße in Kleinholz zu zerlegen, und ich nicht vorhatte, ihm diesen Spaß einfach so zu lassen! In der Zwischenzeit, nach einem weiteren wutentbrannten Schlachtgebrüll, gefolgt von einem wahrlich vitalen Schlag auf etwas Metallenes, dem ein ratterndes und schlitterndes Geräusch folgte, trat dann plötztlich eine allzu unheimliche Stille ein. Na hoppla, dachte ich, jetzt gibt er Ruhe, der Depp! Jetzt, wo ich die Polizei gerufen habe!!!!

Die kam auch umgehend (na um 1/2 3 morgens is ja auch nicht mehr soviellos.. .).

Ich habe den Beamten dann gesagt, von welcher Richtung das Geräusch kam, die Suche nach der Quelle des Geplärrs gestaltete sich eben schwierig wegen des ständigen Widerhalls in den Höfen... Inzwischen war der Brüller wieder am loslegen, nur klang es nun irgendwie nicht mehr so zornig und inbrünstig, sondern eher benommen. Nach einigem Leuchten, Horchen und Rufen wurden die Freunde in Grün dann auch fündig: in meiner direkten Nachbarschaft, am Hintereingang.

Dort fanden sie, am Fuße der Metalltreppe liegend, keinen Einbrecher oder randalierenden Arnold-Schwarzenegger-Verschnitt, sondern ausgerechnet - meinen Nachbarn!

Offensichtlich hatte dieser an jenem schicksalhaften Abend mit seinen Freunden einen "französchischen Abend" mit viel Baguette und Rotwein (vor allem Rotwein!) erlebt, und hatte, endlich zuhause angekommen, plötzlich unvorhergesehene Probleme, die Treppe zu seiner Wohnung zu erklimmen und vor allem, das verflixte Schlüsselloch zu finden, um endlich ins Bett und zu dem wohlverdienten Schlaf zu gelangen.

Entzürnt über die Widrigkeiten des Lebens und über die Weigerung dieses °#*+~#!°%#! Schlüssellochs insbesondere, ihm einen Einlass in die eigenen vier Wände zu verschaffen, trat Herr B. dann mit all seiner noch vorhanden menschlichen Urkraft gegen die Tür... leider kam ihm dabei ein oben an der Treppe abgestellter Besenstiel in die Quere, mit dem er dann im Zweikampf die gesamten 15 Stufen der wunderbar vibrierenden Metalltreppe nach unten gleitete... das mitgebrachte Baguette für den Sonntag nahm er dabei auch noch mit!

Da die Polizei nun wirklich ein Freund und Helfer ist, nahmen die beiden Beamten den nun doch leicht lädierten Herrn B. zwischen sich und führten ihn sanft, aber mit festem Griff sicher nach oben. Dort zeigten sie ihm dann, wie widerstandslos sich eine Tür öffnen lässt, wenn man ihr nur den richtigen Schlüssel ins Schlüsselloch - und nicht in den Klingelkasten - schiebt. Froh über soviel Unterstützung und Zuneigung, ließ sich Herr B. dann von den Ordnungshütern widerstandslos ins Bett legen, wo er nach all der Aufregung dann wohl auch selig umgehend einschlief.. .

Und ich?

Ich hab mich erst tausendmal bei den Polizisten für diesen völlig überflüssigen Einsatz entschuldigt, aber die haben nur gelacht, ich dann auch, weils einfach so bescheuert war, ansonsten hab ich mich 6 Wochen nicht in die Nähe von Herrn B. getraut, erstens weil ich immer so lachen musste, wenn ich ihn sah mit seinen Beulen und Schrammen (und ich frag mich immer noch, ob er überhaupt weiß, wie er dazu kam! Ist ja gemein, eigentlich hatte er wirklich ganz schön Glück gehabt!), und ich eigentlich nicht zu den Leuten gehöre, die ihren Nachbarn die Polizei auf den Hals jagt, weil sie mal laut sind... (außer es setzt Schläge, aber da geh ich auch selbst dazwischen, wenns drauf ankommt!) - andererseits bin ich froh darüber, dass die Polizei kam, denn ich selbst hätte mich vermutlich nicht alleine in irgendwelche Hinterhöfe getraut.

Also in diesem Sinne:
Vive la France!


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