
Wegen des gewaltsamen Todes der vierjährigen Leonie aus dem niedersächsischen Bad Salzdetfurth muss sich seit Montag ein 40-jähriger Polizeibeamter vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin tödlich misshandelt zu haben - was der Angeklagte zum Prozessauftakt zurückwies. Der 40-Jährige beteuerte im Gegenteil, Leonie niemals geschlagen zu haben, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Der Angeklagte äußerte demnach die Vermutung, das Kind habe sich die tödlichen Kopfverletzungen womöglich selber zugefügt. Leonie war im vergangenen November an einer Hirnschwellung gestorben.
Laut Staatsanwaltschaft hatte sich der Angeklagte darüber geärgert, dass das Mädchen sich eingenässt und dann vor seinen Augen in die Hose gemacht hatte. Dies bestätigte der 40-Jährige am Montag. Zugeschlagen habe er aber nicht, nur geschimpft, sagte er dem Gerichtssprecher zufolge. Leonie hatte den Mann, bei dem ihre Mutter mit ihr erst einige Monate zuvor eingezogen war, offenbar nicht akzeptiert und demnach etwa mit Schreianfällen und Einnässen auf ihn reagiert.
Der 40-Jährige war mit dem Kind allein zuhause gewesen, als es die letztlich tödlichen Kopfverletzungen erlitt, und hatte Leonie nach eigenen Angaben noch versucht zu beatmen. Die von ihm verständigte Mutter rief den Notarzt, das Kind starb später im Krankenhaus. Leonies Mutter sagte am Montag ebenfalls vor Gericht aus. Sie ist nach eigenem Bekunden von der Unschuld des Angeklagten überzeugt und hat ihn zwischenzeitlich in der Untersuchungshaft geheiratet. Der Prozess vor dem Hildesheimer Landgericht geht am Mittwoch weiter.
6. Oktober 2008 - 17.52 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2008

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