Prozess um Skandalhändler Kerviel erreicht seinen Höhepunkt
AFP VOM 22.6.2010 | Nachrichten - International | 607 Aufrufe Mehr zum Thema:Kerviel
Ex-Bankchef: Wusste nichts von "monströser" Spekulation
Der Prozess um die Milliardenspekulationen des einstigen Börsenhändlers Jérôme Kerviel hat in Paris seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Der ehemalige Chef der französischen Großbank Société Générale, Daniel Bouton, wies vor Gericht eine Mitschuld der Vorgesetzten für die "monströsen" Spekulationen in Höhe von 50 Milliarden Euro zurück. Die Bank hatte durch Kerviels Geschäfte 4,9 Milliarden Euro verloren.
Bouton, der seinen Posten im April 2009 räumen musste, bezeichnete den im Januar 2008 entdeckten "Betrug" durch Kerviel als "Katastrophe". Er hielt dem heute 33-jährigen Kerviel eine unglaubliche Fähigkeit zur "Lüge und zur Verschleierung" vor. Zwar habe es auch Schwächen im internen Kontrollsystem der Bank gegeben, räumte er ein. Aber er glaube "nicht eine Sekunde daran, dass die Vorgesetzten von Jérôme Kerviel davon gewusst haben".
Der Société-Générale-Abteilungsleiter Maxime Kahn sagte, die durch Kerviel verursachten Milliardenrisiken hätten die Großbank den Ruin treiben können. Die Verluste hätten sich demnach auf bis zu 30 Milliarden Euro belaufen können, wenn Kerviels Geschäfte nicht sofort nach Entdeckung rückabgewickelt worden wären.
Kerviel räumte am Dienstag in dem Prozess erneut "Fehler" und "schwachsinnige Taten" ein, wehrte sich aber gegen die Einschätzung der einstigen Vorgesetzten, dass sein Vorgehen "unsichtbar" gewesen sei. Seit Beginn der Verfahrens hat der Ex-Händler immer wieder auf der Mitschuld seiner Chefs bestanden.
Kerviel lehnt es auch ab, die alleinige Verantwortung für die Verluste von 4,9 Milliarden Euro zu übernehmen. Er ist der Ansicht, dass die Auflösung seiner Spekulationen zu einem schlechten Zeitpunkt am Markt vorgenommen worden sei. Kerviel behauptet zudem, die Bank habe durch die ihm zugeschobenen Verluste ihre Schwierigkeiten durch Kreditausfälle am US-Immobilienmarkt vertuschen wollen.
Nach Angaben von Kahn entsprach die Summe von 50 Milliarden Euro "der zehnfachen Höhe aller Risiken der 2500 Händler der Société Générale". Kerviels Spekulation habe um das 25.000-fache über dem durchschnittlichen Risiko gelegen, das ein Händler der Bank eingeht. Außerdem habe Kerviel die für ihn zulässige, von der Bank gesetzte Risikogrenze um 50.000 Prozent überschritten.
22. Juni 2010 - 17.48 Uhr
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