Prozess gegen mutmaßlich pädophilen Pfarrer in Bayern begonnen Seite 1 - AFP vom 13.03.2008
Peter K. (DDP/AFP)
Prozess gegen mutmaßlich pädophilen Pfarrer in Bayern begonnen
Skandal brachte Regensburger Bischof unter Druck
Vor dem Landgericht Regensburg hat am Donnerstag ein Prozess gegen einen mutmaßlich pädophilen Pfarrer begonnen. Die Anklage wirft dem 40-jährigen Geistlichen vor, sich zwischen 2003 und 2006 mehr als 40 Mal an einem minderjährigen Ministranten vergangen zu haben, der zu Beginn der Übergriffe erst elf Jahre alt war. Das Gericht wollte sein Urteil möglicherweise bereits am Donnerstag verkünden.
Der Pfarrer war bereits wegen Sexualdelikten vorbestraft, bekam aber dennoch im September 2004 die Leitung der ostbayerischen Pfarrgemeinden Riekofen und Schönach übertragen. Bereits ab dem Jahr 2001 soll er laut Anklageschrift aushilfsweise in diesen Gemeinden als Seelsorger tätig gewesen sein und auch Jugendgruppen betreut haben. Darüber hinaus lud er diesen Angaben zufolge die Kinder und Jugendlichen in seinen Keller ein, wo sie Shisha rauchen und Alkohol trinken durften. Zu einer "Vielzahl" von Ministranten habe der Angeschuldigte dabei einen gezielten Kontakt aufgebaut. Bei Ausflügen und im Pfarrheim habe er ihnen durch Berührungen "erogene Zonen" gezeigt, heißt es in der Anklage.
Angeklagt ist der Pfarrer wegen wiederholten schweren sexuellens Missbrauch an einem 1992 geborenen Ministranten. Spätestens ab dem elften Lebensjahr bis zum 14. Geburtstag soll er sich mindestens 22 Mal sexuell an dem Kind vergangen haben. Auch nach dem 14. Geburtstag habe es regelmäßige Übergriffe gegeben, die erst im Sommer 2006 ein Ende gefunden hätten, wirft ihm die Anklage vor. Der Pfarrer wurde im August 2007 festgenommen, derzeit befindet er sich in einer Nervenklinik.
Der Pfarrer war bereits im Jahr 2000 wegen sexuellen Missbrauchs vom Amtsgericht Viechtach zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt worden war. Als Auflage musste er sich damals in eine ambulante nervenärztliche Behandlung begeben und durfte für die Dauer der Bewährungszeit nicht mehr als Jugendseelsorger arbeiten. Nach Angaben des Gerichts wurde ihm diese Strafe Ende Juli 2003 erlassen.
Durch die Affäre war der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller unter massiven Druck geraten. Müller hatte den Pfarrer im Jahr 2004 wieder eingesetzt, obwohl die Deutsche Bischofskonferenz wenige Monate zuvor Richtlinien erlassen hatte, wonach pädophile Priester nicht mehr an Stellen eingesetzt werden dürfen, an denen sie mit Kindern oder Jugendlichen in Kontakt kommen. Der Bischof berief sich dagegen auf gerichtliche und medizinische Gutachten, wonach bei dem Mann keine "pädophile Fixierung" vorliege.
Gabriele Haeske, Wallenhorst beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Vertragsrecht, Mietrecht, Sozialrecht und hat Interessensschwerpunkte: Familienrecht, Erbrecht.