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Prozess gegen bosnisch-serbischen General Tolimir eröffnet

AFP VOM 26.2.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 461 Aufrufe
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Kriegsverbrechen

Anklage vor UN-Tribunal wegen Massakern in Srebrenica und Zepa

Vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag muss sich seit Freitag der ehemalige bosnisch-serbische General Zdravko Tolimir verantworten. Ihm werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit dem Massaker in Srebrenica und der Ermordung von Muslimen in der bosnischen Enklave Zepa vorgeworfen. Der 61-Jährige gilt als Vertrauter des ehemaligen bosnisch-serbischen Armeechefs Ratko Mladic.

Tolimir sei an dem "unerbittlichen Plan" beteiligt gewesen, die muslimische Bevölkerung aus den bosnischen Enklaven Srebrenica und Zepa zu vertreiben, indem ihr Leben dort "unerträglich" gemacht worden sei, sagte Staatsanwalt Nelson Thayer zum Prozessauftakt. Der General habe sich daran beteiligt, tausende muslimische Männer und Jungen festzunehmen, sie hinzurichten und die Leichen zu vergraben. Er habe den Plan unterstützt und genehmigt.

Der 61-Jährige bekreuzigte sich am Freitag beim Betreten des Gerichtssaals. Zur Eröffnung des Prozesses rief der Angeklagte, der auf nicht schuldig plädiert und sich selbst verteidigt: "Möge Gott Euch alle segnen". Wegen Tolimirs Gesundheitszustand war der Prozess immer wieder verschoben worden. Mit seinem Fall beginnt der letzte der vor dem Haager Tribunal anhängigen Prozesse. Die beiden mutmaßlichen Kriegsverbrecher Mladic und Goran Hadzic werden zwar noch von dem Tribunal gesucht, sie sind aber seit 15 Jahren flüchtig.

Der im Mai 2007 gefasste Tolimir war während des Bosnienkrieges (1992 bis 1995) einer von sieben Stellvertretern Mladics und zuständig für den militärischen Geheimdienst. Im Juli 1995 waren bosnisch-serbische Milizen in die damalige UN-Schutzzone Srebrenica einmarschiert und hatten rund 8000 Muslime - vorwiegend Männer und Jungen - verschleppt und getötet. Das Massaker von Srebrenica wird vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag als Völkermord eingestuft.

26. Februar 2010 - 17.25 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010


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