Prozess um Mord an Ägypterin in Dresden begonnen
AFP VOM 26.10.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 1046 Aufrufe Mehr zum Thema:Messerattacke, Mord
Anklage: Marwa El-Sherbini aus Ausländerhass getötet
Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini begonnen. Vor dem Landgericht warf Oberstaatsanwalt Frank Heinrich dem Angeklagten vor, die 31-Jährige aus schierem Ausländerhass getötet zu haben. Alex W. habe auf sein Opfer und deren Mann eingestochen, weil er sie "aus bloßem Hass auf Nichteuropäer und Moslems vernichten wollte."
Die Staatsanwaltschaft legt Alex W. Mord an Marwa E-Sherbini sowie Mordversuch und gefährliche Körperverletzung an ihrem Ehemann zur Last. Der 28-Jährige hatte sein Opfer am 1. Juli während einer Verhandlung im Dresdner Landgericht, wo er sich wegen früherer Beschimpfungen der Ägypterin verantworten musste, mit einem Messer angegriffen. Die schwangere Mutter eines dreijährigen Jungen starb wenig später. Ihr Mann überlebte schwer verletzt.
Marwa El-Sherbini und ihr Mann Elwy Okaz hätten den Angriff nicht erwartet und seien diesem "hilflos" ausgesetzt gewesen, sagte Heinrich bei der Anklageverlesung. Alex W. habe mit dem Messer kurz hintereinander und "teilweise mit großer Wucht" abwechselnd auf beide eingestochen. Die Anklage sieht die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe erfüllt.
Der Ehemann des Opfers, der als Nebenkläger am Prozess teilnimmt, schilderte in seiner Zeugenaussage, wie Alex W. auf seine Frau und ihn losgegangen war. Zu dem Verfahren war es damals gekommen, nachdem Alex W. das spätere Opfer auf einem Kinderspielplatz in Dresden unter anderem als "Terroristin" und "Islamistin" beschimpft hatte. Nachdem seine Frau ihre Aussage gemacht habe, sei sie von Alex W. plötzlich angegriffen worden, sagte Okaz. Als er eingreifen wollte, sei er ebenfalls attackiert worden.
Zum Auftakt des Prozesses wies die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand angesichts der großen Medienpräsenz darauf hin, dass es sich trotz der politischen Auswirkungen um "kein politisches Verfahren" handele. Es gehe darum, den Tod von Marwa El-Sherbini aufzuklären, sagte sie. Unter den Prozessbeobachtern waren auch etliche ägyptische Journalisten sowie der ägyptische Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy.
Der Angeklagte machte am ersten Prozesstag keine Angaben zur Tat oder zu seiner Person. Da Alex W. trotz mehrfacher Aufforderung der Vorsitzenden Richterin in der Verhandlung seine Sonnenbrille nicht absetzte, wurde gegen den 28-Jährigen ein Ordnungsgeld von 50 Euro verhängt. Das Landgericht wurde während der Verhandlung von etwa 200 Polizeibeamten abgesichert.
26. Oktober 2009 - 16.53 Uhr
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