Das Traditionsprinzip

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Das Traditionsprinzip wird auch Publizitätsprinzip genannt. Es besagt, dass Rechtsänderungen im Sachenrecht nicht allein aus rechtsgeschäftlichen Einigungen bestehen, sondern immer auch eines so genannten Publizitätsaktes bedürfen.

Unter einem Publizitätsakt versteht man einen Vorgang, der durch alle anderen wahrnehmbar ist. Eine Einigung zwischen zwei Menschen bekommt keiner mit, außer man sieht und hört zu. Eine Übergabe dagegen kann jeder sehen: Die Sache hat nun jemand anderes. Bei beweglichen Sachen ist die Übergabe der Regelfall. Bei Immobilien nimmt diese Aufgabe das Grundbuch war. Wenn eine Rechtsänderung im Grundbuch eingetragen wird, kann dies jeder nachlesen.

Dadurch bekommen Rechtsänderungen im Sachenrecht eine Außenwirkung, die für jedermann wahrnehmbar ist. Dahinter steht die Funktion des Sachenrechts. Jeder kann seine Rechte an Sachen gegenüber jedermann geltend machen und verteidigen. Um dies zu vereinfachen, entstehen Rechte an Sachen nur, wenn dies für alle erkennbar ist. Ein weiterer Punkt ist, dass Rechte an Sachen bares Geld wert sind. Wenn nun ein Grundstückseigentümer einen Kredit aufnehmen will, wird sein Haus zur Sicherheit. Dadurch, dass eine Hypothek in das Grundbuch eingetragen werden muss, kann die Bank darauf vertrauen, dass ein anderer keine Hypothek an dem gleichen Haus hat. Gleiches gilt für die Verpfändung eines Autos oder einer Uhr, denn durch den Besitz gilt man für andere als Eigentümer. Die Sicherheit des Rechtsverkehrs steht im Vordergrund.

"Das macht doch alles unnötig teuer!" Nein - im Ergebnis ist dies Verfahren erheblich billiger. Es gibt Länder, die USA z. B., die kein Grundbuch kennen. Dort ist der Erwerb eines Grundstückes erheblich teurer.

Zur Erläuterung: Peter kauft von Paul ein Grundstück, Kaufpreis ist 3 Millionen EURO (sonst macht es ja keinen Spaß). Es gibt kein Grundbuch. Peter bezieht das Grundstück, wenig später fordert der wahre Eigentümer es von Peter heraus - mit Erfolg. Peter könnte sich nun von Paul 3 Millionen EURO zurückholen, doch der liegt auf den Bahamas in der Sonne. Das ist natürlich ärgerlich. Deshalb wird in Ländern ohne Grundbuch dies Risiko mit Bürgschaften aller Art gesichert, z. B. einer Bankbürgschaft. Bürgschaften übernimmt aber keine Bank kostenlos. In Deutschland schaut Peter, beziehungsweise der Notar in das Grundbuch: Dort steht Paul nicht drin. Peter wird kein Geld bezahlen. Steht Paul im Grundbuch, wird Peter auch Eigentümer und alles ist gut. Es fallen keine Kosten für Bürgschaften an. Ein Hauskauf bringt ausreichend Sorgen mit sich, da ist es doch schön, sich darum keinen Kopf machen zu müssen.

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Seite  1:  Prinzipien des Sachenrechts
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