Polizei wertet Kassenbücher in Spendenaffäre um Sarkozy aus
AFP VOM 8.7.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 1094 Aufrufe Mehr zum Thema:Parteispendenaffäre, Sarkozy
Spuren zu Abhebung von 50.000 Euro im Frühjahr 2007
Nach dem Vorwurf illegaler Parteienfinanzierung der französischen Konservativen wertet die Polizei nun die Kassenbücher der Milliardärin Liliane Bettencourt aus. Bei der Bank habe die Polizei nachvollziehen können, dass im März 2007 tatsächlich 50.000 Euro von Bettencourts Konto abgehoben worden seien, sagte der Anwalt der L'Oréal-Hauptaktionärin, Georges Kiejman, am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AFP. Dies sei aber keine große Enthüllung, "weil jede Woche an die 50.000 Euro abgehoben worden sind". Bei Bettencourts Vermögen - die 87-Jährige gehört mit geschätzten 17 Milliarden Euro zu den 20 reichsten Menschen weltweit - entspreche dies den "laufenden Ausgaben".
Die Polizei fand am Mittwoch die Hefte, in denen Bettencourts ehemalige Buchhalterin jahrelang die Ausgaben notierte, wie französische Ermittler mitteilten. Sie hatten nach den Kassenbüchern gesucht, nachdem die langjährige Buchhalterin von Bettencourt gesagt hatte, der Vermögensverwalter der Milliardärin habe im März 2007 einen Umschlag mit 150.000 Euro an den Schatzmeister der konservativen Regierungspartei UMP übergeben, den heutigen Arbeitsminister Eric Woerth. Die rechtswidrige Spende - in Frankreich sind von Einzelpersonen pro Jahr nicht mehr als 7500 Euro für eine Partei erlaubt - war demnach für den Wahlkampf von Staatschef Nicolas Sarkozy gedacht.
Sie selbst habe am 26. März 2007 abgehoben, sagte die frühere Buchhalterin der Polizei; den Rest habe der Vermögensverwalter von einem Konto in der Schweiz besorgt. Bettencourts Anwalt sagte dagegen, das Geld sei für "Freunde, Ärzte, Kaufleute, einen Buchbinder" abgehoben worden, "nicht für die Herren Woerth und Sarkozy".
"Meine Mandantin bleibt dabei", sagte der Anwalt der Buchhalterin Claire T., Antoine Gillot, der Tageszeitung "Libération" vom Donnerstag. Derartige Summen nehme man nicht in die Hand, "um zum Friseur zu gehen". Die Buchhalterin hatte der Polizei gesagt, Sarkozy selbst und viele andere konservative Politiker seien in Bettencourts Villa im Nobelvorort Neuilly ein- und ausgegangen und hätten sich Umschläge mit Geld bei der Milliardärin abgeholt. "Es war ein Kommen und Gehen", sagte die frühere Angestellte.
8. Juli 2010 - 11.23 Uhr
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