Pflichtverteidigerbestellung geboten bei anwaltlich vertretenem Nebenkläger

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Das Oberlandesgericht Saarbrücken hat in einem Beschluss vom 20.03.2006, Az. Ss 15/2005 (25/05), entschieden, dass der Rechtsgedanke des § 140 Abs. 2 Satz 1 Halbsatz 2 StPO gebietet, dass dem Angeklagten ein Pflichtverteitiger beigeordnet wird, wenn das Opfer anwaltlich vertreten ist und der Opferanwalt auf Kosten des Verletzten tätig wird.

Der Gesetzeswortlaut des § 140 Abs. 2 Satz 1 Halbsatz 2 StPO umfasst grundsätzlich nur die Fälle, in denen dem Opfer ein Anwalt als Beistand beigeordnet worden ist. Das Oberlandesgericht Saarbrücken hebt in seiner Entscheidung ausdrücklich hervor, dass entgegen dem Gesetzeswortlaut eine Beiordnung nicht erforderlich ist. Denn bereits die anwaltliche Vertretung des Opfers kann es gebieten, dass nach den Grundsätzen der Waffengleichheit und des fairen Verfahrens die Vertretung des Angeklagten durch einen Verteidiger geboten ist. Dabei ist insbesondere die bereits abstrakte Gefahr eines Ungleichgewichts zwischen dem nicht vertretenen Angeklagten und dem anwaltlich vertretenen Opfer zu berücksichtigen. Diese Vermutung fußt bereits darauf, dass der Angeklagte sich einem Verletzten gegenüber sieht, der sich des fachkundigen Rates eines Rechtsanwalts bedienen kann, während er (der Angeklagte) auf sich allein gestellt ist.

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