
Die französische EU-Ratspräsidentschaft will die Rekrutierung von islamischen Extremisten in europäischen Gefängnissen stoppen. Innenministerin Michèle Alliot-Marie stellte dazu am Dienstag bei einer europäischen Expertenkonferenz in Saint-Denis bei Paris ein Handbuch für das Haftpersonal vor. Darin würden Anzeichen für eine Radikalisierung beschrieben und Empfehlungen im Kampf dagegen gegeben, sagte die Ministerin. "Mehr als hundert Gefangene" seien allein in Frankreich "auf dem Weg der Radikalisierung". Betroffen von dem Phänomen seien aber auch andere Länder der Europäischen Union "wie Deutschland oder Österreich".
Die in dem Handbuch beschriebenen Anzeichen für eine Radikalisierung begännen bei äußeren Hinweisen "wie der Kleidung oder dem Bart, den man sich wachsen lässt", sagte die Ministerin. Beschrieben würden aber auch "weniger sichtbare" Signale, "zum Beispiel die Weigerung, Befehlen zu gehorchen, die von weiblichen Angehörigen des Personals gegeben werden". Gleichzeitig würden "Empfehlungen gegeben, um den Prozess (der Radikalisierung) zu unterbrechen, einen Dialog aufzubauen und einen inneren Rückzug zu verhindern, der oft der Radikalisierung vorausgeht". Dies dürfe dies nicht zu einer Ablehnung der Religion in den Haftanstalten führen, sondern müsse unter Berücksichtigung der Religionsfreiheit geschehen.
Neben den Gefängnissen müsse das Phänomen der Radikalisierung auch an anderen Orten genauer beobachtet werden, darunter die Universitäten und das Internet, sagte Alliot-Marie. Sie verwies dabei auf den französischen Vorschlag, ein europaweites Warnsystem zur Radikalisierung einzurichten. Gleichzeitig könne die EU aber "nicht alleine gegen den Extremismus oder den Terrorismus kämpfen", sagte die Ministerin, die auf die Teilnahme Algeriens an der Konferenz in Saint-Denis verwies.
30. September 2008 - 12.19 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2008

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