Offenbar geistig Behinderter in Texas hingerichtet
AFP VOM 8.8.2012 | Nachrichten - Allgemein | 573 Aufrufe Mehr zum Thema:Behinderter, USA, Hinrichtung
Lebenshilfe verurteilt "grausame Unmenschlichkeit"
Trotz heftiger Proteste von Menschenrechtsaktivisten ist im US-Bundesstaat Texas ein offenbar geistig behinderter Mann hingerichtet worden. Die Todesstrafe gegen den 54-jährigen Marvin Wilson sei am Dienstagabend mit der Giftspritze vollstreckt worden, teilten die Justizbehörden mit. Er war schuldig gesprochen worden, 1992 einen Polizei-Informanten umgebracht zu haben.
Marvin Wilson sei um 18.27 Uhr (Ortszeit, 01.27 Uhr MESZ) für tot erklärt worden, teilte die Justiz mit. Seine letzten Worte richtete er demnach an seine Familie: "Ich liebe euch alle. Ich bin bereit." Wilson war 1998 verurteilt worden. Einen letzten Vorstoß seiner Anwälte zur Verhinderung der Hinrichtung wies der Oberste Gerichtshof kurz vor der Vollstreckung zurück.
Die Organisation Amnesty International kritisierte die Entscheidung des Gerichtshofs als "höchst beunruhigend". Wilsons Anwalt Lee Kovarsky zeigte sich "zutiefst enttäuscht und traurig" darüber, dass die Hinrichtung nicht verhindert worden sei. "Es ist empörend, dass Texas weiterhin unwissenschaftliche Richtlinien verwendet, um festzustellen, welche geistig zurückgebliebenen Menschen von der Exekution verschont bleiben."
Der Oberste Gerichtshof der USA hatte 2002 entschieden, dass geistig Behinderte nicht zum Tode verurteilt werden dürfen. Allerdings überließ das Gericht die Definition von geistiger Behinderung den Bundesstaaten. Nach der geltenden Definition von Texas war der nun Hingerichtete nicht geistig behindert.
Menschenrechtsaktivisten erklärten jedoch, bei Wilson sei im Jahr 2004 ein Intelligenzquotient von 61 festgestellt worden. Vor einigen Wochen war in Texas ein anderer geistig behinderter Häftling hingerichtet worden. In ganz Texas wurden in diesem Jahr bereits sieben Todesurteile vollstreckt.
Die Bundesvereinigung Lebenshilfe in Berlin verurteilte die Hinrichtung "auf das Schärfste". Die Vollstreckung der Todesstrafe an geistig Behinderten sei "nicht nur eine grausame Unmenschlichkeit, sondern auch ein Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention", erklärten der Bundesvorsitzende Robert Antretter und Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die im September für den Vorsitz kandidiert. Texas unterlaufe das Urteil aus dem Jahr 2002 bewusst. Auch die FDP-Menschenrechtspolitiker Marina Schuster und Pascal Kober rügten die Missachtung der Entscheidung des Supreme Court.
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