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Karl Kraus

AFP VOM 6.2.2001 | Unterhaltung - Das Recht in der Kritik | 34755 Aufrufe
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Kraus, Fackel, Rechtskritik

Karl Kraus
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Karl Kraus Reaktion auf den Fall Christine Rizek, März 1905:

Eine Dienstmagd stand vor den Wiener Geschwornen, weil sie ihr körperlich verkümmertes, fast idiotisches Kind, das man im Spital nicht behalten wollte, in den Donaukanal geworfen hatte. Sie hatte 15 Kronen Monatslohn, sollte 24 Kronen Kostgeld für das Kind zahlen und mußte noch für ein zweites, jüngeres sorgen, dessen Vater nicht erreichbar war, weil er ihr "eine falsche Adresse angegeben hatte".
Der Vorsitzende sagte: "Sehen Sie, Sie sind etwas leichtfertig!"
Der Vater des getöteten Kindes, der der Wöchnerin einen Stall als den "ihrer würdigsten Niederkunftsort" angewiesen hatte, war vom Zivilgericht für eine Summe von 440 Kronen von seinen Vaterpflichten befreit worden.
Die sich der Mutterpflichten entledigt hatte, wurde vom Strafgericht zum Tode durch den Strang verurteilt.
Die Verhandlung hat aus dem Vorleben der Angeklagten zwei Belastungsmomente an den Tag gebracht. Christine Rizek ist vorbestraft. Sie hat, als sie auf dem Lande bedienstet war, im Garten Obst gestohlen und ist dafür zu vierundzwanzig Stunden Arrest verurteilt worden. Ferner ist erwiesen, daß sie einmal auf einem Maskenball war und damals nach Torsperre heimkam.
Der Vorsitzende rief dem Mädchen zu. "Reden Sie doch lauter! Am Maskenball haben Sie gewiss besser reden können!"Da Christine Riezek, ehe sie noch zum Tode verurteilt war, die Verhandlung durch Weinen störte, rief ihr der Vorsitzende zu: "Wollen Sie ruhig sein, sonst laß ich Sie abführen! Machen S' nicht soche G'schichten !"
Der Vorsitzende ist Oberlandesgerichtsrat und heißt Granichstädten.


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