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Istanbuler Gericht bekräftigt Freispruch für Pinar Selek

Istanbuler Gericht bekräftigt Freispruch für Pinar Selek

AFP VOM 9.2.2011 | Nachrichten - Allgemein | 854 Aufrufe
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Ein Schwurgericht in Istanbul hat in einer vorläufigen Entscheidung einen früheren Freispruch für die im deutschen Exil lebende und in der Türkei von einer lebenslangen Haftstrafe bedrohte Soziologin Pinar Selek bekräftigt. Es widersprach damit dem Obersten Berufungsgericht in Ankara, das eine Verurteilung der Angeklagten wegen siebenfachen Mordes verlangt hatte.

Selek reagierte erleichtert auf die Entscheidung des Istanbuler Gerichts. Das Verfahren soll am 22. Juni fortgesetzt werden. Als Anhängerin der verbotenen Rebellengruppe Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) soll Selek 1998 bei einem Anschlag im Gewürz-Basar von Istanbul den Tod von sieben Menschen verschuldet haben. Mehrere Gutachter erklärten jedoch, nicht eine Bombe, sondern ein Gasbehälter sei damals explodiert.

Obwohl die Angeklagte gefoltert und im Verlauf des jahrelangen Rechtsstreites zweimal freigesprochen wurde, befand sie das Oberste Berufungsgericht der Türkei im November für schuldig und ordnete die Neuverhandlung an. Das Istanbuler Gericht erklärte jedoch, es bleibe bei dem 2008 ergangenen Freispruch.

Seleks Vater, der Anwalt Alp Selek, sagte dem Nachrichtensender CNN-Türk, wenn die Staatsanwaltschaft gegen die Bekräftigung des Freispruchs Einspruch erhebe, werde sich das Berufungsgericht in Ankara erneut mit dem Fall befassen. Er hoffe aber auf einen endgültigen Abschluss des Prozesses gegen seine Tochter, die nicht zur Verhandlung in Istanbul erschienen war. Pinar Selek selbst sagte dem türkischen Nachrichtensender NTV, sie habe in den vergangenen Jahren viel Schlimmes durchgemacht. "Aber jetzt will ich nicht an schlimme Dinge denken, ich will glücklich sein."

Zum Auftakt des neuen Prozesses wiesen Seleks Verteidiger auf Widersprüche in den Berichten über die angebliche Bombe im Gewürzbasar hin. Damit habe die Verteidigung gezeigt, dass die Berichte manipuliert worden seien, um die Explosion wie einen Bombenanschlag aussehen zu lassen, sagte die Türkei-Vertreterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), Emma Sinclair-Webb. Auch reichte die Verteidigung medizinische Berichte über die Folter an Pinar Selek ein. Sinclair-Webb lobte die Haltung des Istanbuler Gerichts als Entscheidung, die den Rechtsstaat in der Türkei stärke.

Mehrere Menschenrechtler und Politiker aus Europa, darunter die Ko-Vorsitzende der Europäisch-Türkischen Parlamentarierkommission, Hélène Flautre, waren zum Prozessauftakt nach Istanbul gekommen. Namhafte türkische Intellektuelle wie der Schriftsteller Yasar Kemal erschienen ebenfalls vor dem Gerichtsgebäude. Auch die Familie des vor vier Jahren von Nationalisten erschossenen armenischstämmigen Journalisten Hrant Dink unterstützt die Soziologin.

09.02.2011 - 14:01 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010

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