Neue Leitlinien der britischen Justiz für Sterbehilfe-Fälle
AFP VOM 25.2.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 898 Aufrufe Mehr zum Thema:Sterbehilfe
Verurteilung von Angehörigen unwahrscheinlich
Die englische Staatsanwaltschaft hat Leitlinien für die juristische Bewertung von Sterbehilfe bei unheilbar Kranken entwickelt. Es sei rechtlich ein entscheidender Unterschied, ob jemand einem anderen Menschen beim Selbstmord helfe oder ob er ihm das Leben nehme, schrieb der Leiter der Staatsanwaltschaft für England und Wales, Keir Starmer, in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung "The Times". Er will die neuen Richtlinien zum juristischen Umgang mit Sterbehilfe im Laufe des Tages vorstellen.
Starmer hob die Bedeutung des Motivs für die juristische Bewertung von Sterbehilfe hervor. Die Schlüsselfrage laute, ob "der Verdächtige vollständig von Mitgefühl angetrieben wurde". Bei Menschen, die einem sterbenskranken geliebten Menschen auf dessen Bitte hin beim Selbstmord helfen, sei die Gefahr einer Anklage daher gering.
Der Chef-Staatsanwalt versicherte zugleich, die neuen Leitlinien sollten das Gesetz zur Sterbehilfe nicht durch die Hintertür verändern. Starmer hatte für die neuen Vorgaben die Kritik und Vorschläge von rund 5000 Organisationen und Einzelpersonen geprüft, die seinen ersten Entwurf kommentierten.
In Großbritannien erregt das Thema Sterbehilfe regelmäßig die Gemüter. Vergangene Woche war ein BBC-Journalist wegen Mordverdachts festgenommen worden, der in einer Fernsehsendung zugegeben hatte, dass er seinem Aids-kranken früheren Geliebten beim Selbstmord geholfen habe. Für Aufsehen sorgten jüngst auch die Fälle zweier Mütter, die ihre schwerkranken Kinder getötet hatten. Eine der Frauen kam in Haft. Der an Alzheimer erkrankte britische Erfolgsautor Terry Pratchett forderte Anfang Februar die Einrichtung von Gerichten, die über eine Sterbehilfe durch nahe Verwandte entscheiden sollen.
25. Februar 2010 - 11.27 Uhr
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