Nationale Versöhnungskonferenz im Irak ergebnislos beendet Seite 1 - AFP vom 19.03.2008
Nationale Versöhnungskonferenz im Irak ergebnislos beendet
Maliki besucht sunnitisches Viertel in Bagdad
Ohne konkrete Ergebnisse ist eine nationale Versöhnungskonferenz im Irak zu Ende gegangen. Die 400 Delegierten forderten in ihrer Abschlusserklärung am Mittwoch in Bagdad die Einheit des Landes und verurteilten den Terrorismus. Das Treffen war von den wichtigsten Parteien des Landes boykottiert worden. Der schiitische Ministerpräsident Nuri el Maliki rief zur Versöhnung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Irak auf. Nördlich von Bagdad tötete eine Selbstmordattentäterin mindestens vier Menschen. In Kirkuk erschossen US-Soldaten drei irakische Polizisten.
Die Teilnehmer der zweitägigen Versöhnungskonferenz in Bagdad riefen zur Beibehaltung der "fundamentalen Prinzipien" des Irak auf. Zudem verurteilten die Vertreter sunnitischer, schiitischer und kurdischer Parteien und Organisationen "Terrorismus und extremistische Ideologien". Vorschläge, wie die Spaltung zwischen den verschiedenen konfessionellen Gruppen überwunden werden könnte, präsentierten die Teilnehmer der von der irakischen Regierung organisierten Konferenz nicht.
Die größte sunnitische Parlamentsfraktion hatte eine Beteiligung an dem zum fünften Jahrestag der US-geführten Invasion abgehaltenen Treffen mit der Begründung abgelehnt, sie werde in der schiitisch dominierten Regierung benachteiligt. Die radikale Schiitenbewegung von Moktada Sadr nannte als Grund für ihr Fernbleiben, die Konferenz sei lediglich Regierungspropaganda und löse keine Probleme.
Der Schiit Maliki, dem Kritiker in der Vergangenheit wiederholt eine Bevorzugung seiner eigenen Bevölkerungsgruppe vorwarfen, besuchte erstmals seit seinem Amtsantritt 2006 das sunnitische Viertel Adhamijah in Bagdad. "Ich bin stolz darauf, was die Bewohner des Viertels erreicht haben", sagte Maliki. Der Stadtteil im Norden der Hauptstadt galt früher als Hochburg des sunnitischen Widerstands.
Bei einem Selbstmordanschlag im Norden von Bagdad wurden mindestens vier Menschen getötet, darunter ein Polizist. In einem Dorf nahe Baakuba in der Provinz Dijala habe sich eine Frau in die Luft gesprengt, sagte ein irakischer Sicherheitsbeamter. Der Anschlag richtete sich demnach gegen eine Polizeipatrouille, zwölf Menschen wurden verletzt.
In der nordirakischen Provinz Kirkuk töteten US-Soldaten drei irakische Polizisten, ein weiterer Polizist wurde nach US-Angaben verletzt. Es handele es sich um einen Unfall, sagte ein US-Militärsprecher der Nachrichtenagentur AFP. Die US-Soldaten hätten sich bedroht gefühlt, als die irakische Polizeistreife mit hoher Geschwindigkeit in ein abgesperrtes Viertel gefahren sei. Daraufhin hätten die US-Soldaten die Polizisten angegriffen, sagte der US-Sprecher.
Vor einem Militärgericht in Kalifornien wurde erneut ein Unteroffizier der US-Marine wegen des Mordes an einem irakischen Gefangenen in der Stadt Falludscha im November 2004 angeklagt. Das Gericht am Armeestützpunkt Camp Pendleton bei San Diego hatte im vergangenen Jahr bereits einen anderen Unteroffizier wegen Mordes an einem Gefangenen in Falludscha angeklagt.