Napster kooperiert mit Bertelsmann - aber Rechtsstreit geht weiter
6.11.2000 | Nachrichten - Aktuelles | 3619 Aufrufe Mehr zum Thema:Napster, Bertelsmann
Die Bertelsmann eCommerce Group kauft sich in die Musiktauschbörse Napster ein. Das umstrittene Internetunternehmen macht sich so seinen stärksten Feind zum Freund, denn die Bertelsmann Musik Group (BMG) kündigte an, die derzeit gegen Napster laufende Klage zurückzuziehen. Bertelsmann hatte die Internetplattform wegen der Verletzung von Urheberrechten vor ein amerikanisches Gericht gezogen.
Mit dem Einstieg von Bertelsmann soll das Geschäftsmodell der Internetbörse Napster umgestaltet und aus dem "Musikpiraten" ein braves Unternehmen werden. Künftig soll nämlich gewährleistet sein, dass an die Musiker und Plattenlabels Vergütungen für den Austausch von Musikstücken und anderen Werken gezahlt werden.
Ob durch die Umwandlung von Napster die Musikindustrie aufatmen kann, ist stark anzuzweifeln. Mittlerweile gibt es an die 1000 Tauschbörsen im Internet, durch die User Musikstücke, Bilder, Filme und ähnliches austauschen können. Im Unterschied zu Napster findet der Handel auf diesen Börsen allerdings nicht auf einem zentralen Server statt: Jeder Computer, auf dem ein entsprechendes Programm (z.B. "Gnutella") installiert wird, operiert selbst als Server. Die neuen Tauschbörsen sind so dezentral organisiert und kaum juristisch angreifbar.
Auch Napster ist durch seine Allianz mit Bertelsmann noch nicht gänzlich aus dem Schneider. Andere Giganten der Musikindustrie wollen die laufende Klage weiter durchziehen. Ein Urteil wird dann zwar nicht mehr die Existenz von Napster gefährden, aber immerhin festellende und zukunftsweisende Wirkung haben: das Urteil des Berufungsgerichts im laufenden Prozess gegen Napster wegen der Verletzung von Urheberrechten wird die grundsätzlichen Spielregeln für das Herunterladen und Anbieten von Musikdateien im Internet festlegen.


