
Im Prozess um den rechtsextrem motivierten Überfall auf Theaterschauspieler in Halberstadt vor einem Jahr hat die Staatsanwaltschaft aus Mangel an Beweisen Freispruch für drei der vier Angeklagten beantragt. Für den 23-jährigen Hauptverdächtigen Christian W. forderte die Staatsanwaltschaft am Montag nach Angaben eines Gerichtssprechers eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Die Verteidigung plädierte auf ein Jahr Gefängnis. W. hatte die Tat teilweise gestanden. Für die mögliche Täterschaft der übrigen drei Männer im Alter von 22 bis 29 Jahren gab es keine Zeugen.
Der Überfall in der Nacht zum 9. Juni 2007 hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die 14 Mitglieder des Nordharzer Städtebundtheaters waren nach ihrer Premiere der "Rocky Horror Show" in Halberstadt auf einer Kneipentour, als sie angegriffen wurden. Fünf Ensemble-Mitglieder mussten mit abgebrochenen Schneidezähnen, aufgeplatzten Lippen, blau geschlagenen Augen oder Nasenbeinbruch in eine Klinik. Von den vier Angeklagten, die alle aus der rechten Szene stammen, hatte nur Christian W. beim Prozessauftakt am 9. Oktober ein Teilgeständnis abgelegt und seinen Ausstieg aus der Szene angekündigt.
Die Aufklärung des Falls hatte sich von Beginn an schwierig gestaltet, weil nicht zuletzt die Polizei "Fehler und Pannen" einräumen musste. So hatten die Beamten einige der Tatverdächtigen am Tag des Geschehens zunächst wieder laufen lassen. Als Konsequenz war der zuständige Dienstgruppenleiter von seiner Funktion entbunden worden. Die Staatsanwaltschaft geht zudem von weiteren Tätern aus, die jedoch nicht ermittelt werden konnten. Das Urteil wird am Mittwoch erwartet.
26. Mai 2008 - 15.57 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2008

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