Nach Einigung zu UTA-Absturz soll Libyen auch für "La Belle" zahlen
AFP VOM 9.1.2004 | Nachrichten - Nachrichten | 3185 Aufrufe Mehr zum Thema:DC-10, UTA, Libyen
- Paris setzt auf "schrittweise Normalisierung" mit EU
Mehr als 14 Jahre nach dem gewaltsamen Absturz eines französischen Linienflugzeuges hat sich Libyen zur Zahlung von 170 Millionen Dollar Entschädigung für die Hinterbliebenen verpflichtet. Nach dem Abschluss des Abkommens in Paris richteten der französische Außenminister Dominique de Villepin und die Bundesregierung am Freitag den Blick auf die Affäre um das Berliner "La Belle"-Attentat 1986. Für die erhoffte "schrittweise Normalisierung" der Beziehungen zwischen der EU und Libyen müsse auch diese Affäre geregelt werden, sagte Villepin. Ein Berliner Außenamtssprecher forderte nach einer entsprechenden Ankündigung Libyens vom Sommer "Fakten".
Für den Anschlag auf die UTA-Maschine mit 170 Toten zahlt Libyen Entschädigungen von einer Million Dollar je Absturzopfer. Die DC10 der Fluggesellschaft UTA war am 19. September 1989 im westafrikanischen Niger abgestürzt, nachdem im Gepäckraum ein Koffer explodiert war. An Bord waren 54 Franzosen und Angehörige 16 weiterer Nationen. Als Verantwortliche hatte ein Pariser Schwurgericht 1999 sechs mutmaßliche libysche Geheimdienstmitarbeiter in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Direktor der für die Entschädigungen zuständigen Gaddafi-Stiftung, Saleh Abdul Salam, sagte am Freitag, Libyen bleibe überzeugt von ihrer Unschuld.
Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi versucht seit Monaten, Tripolis aus der diplomatischen Isolation zu führen, in die sein Land wegen der Anschlags über dem schottischen Lockerbie von 1988 und des UTA-Absturzes geraten war. Nachdem Libyen im vergangenen Sommer offiziell die Verantwortung für das Lockerbie-Attentat übernommen hatte, hatten die Vereinten Nationen ihre Sanktionen aufgehoben. Zuletzt erklärte sich Gadaffi auch zum Verzicht auf Massenvernichtungswaffen bereit.
Die Europäische Union hält ihr Waffenembargo gegen Libyen dagegen bislang aufrecht. Zwischen den Europäern und Libyen schwelt noch der Streit um das Attentat auf die Berliner Diskothek "La Belle". Dort waren 1986 zwei US-Soldaten und eine Türkin getötet und mehr als 200 Menschen verletzt worden. Das Berliner Landgericht verurteilte 2001 vier Menschen zu zwölf bis 14 Jahren Haft und wies Libyen eine "erhebliche Mitverantwortung" zu. Der Prozess dürfte bald in Leipzig neu aufgerollt werden.
Bereits im August hatte die Gaddafi-Stiftung auch für die "La Belle"-Opfer Entschädigungen angekündigt; die Höhe der Zahlungen ist zwischen Libyen und Deutschland umstritten. Ein Berliner Außenamtssprecher äußerte am Freitag die Hoffnung, der Fall könnte "in nicht allzu ferner Zukunft" abgeschlossen werden. Dazu müssten der Ankündigung vom Sommer aber Taten folgen.
9. Januar 2004 - 18.31 Uhr



