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Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher Demjanjuk verhandlungsfähig - 1/1
AFP vom 03.07.2009   |   1236 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - Vor Gericht

Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher Demjanjuk verhandlungsfähig

Termin für Prozessbeginn bleibt aber weiter unklar

Dem Prozess gegen den der Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen beschuldigten mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk steht aus medizinischer Sicht nichts mehr im Wege. Der 89-Jährige ist laut einem in den vergangenen Wochen erstellten ärztlichen Gutachten zumindest eingeschränkt verhandlungsfähig, wie die Staatsanwaltschaft München I am Freitag mitteilte. Wann Demjanjuk vor Gericht gestellt wird, ist aber offen.

Demjanjuk kann dem Gutachten zufolge pro Tag bis zu drei Stunden der Prozess gemacht werden. Die Verhandlungsdauer sollte dabei auf zweimal 90 Minuten aufgeteilt werden. Bereits kurz nach seiner Überstellung aus den USA Anfang Mai hatten Ärzte festgestellt, dass Demjanjuk haftfähig ist. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Für die Frage der Verhandlungsfähigkeit mussten aber umfassendere Untersuchungen angestellt werden.

Nachdem diese letzte Hürde nun aus dem Weg geräumt ist, will die Staatsanwaltschaft noch in diesem Monat Anklage gegen den gebürtigen Ukrainer erheben. Wie eine Sprecherin des für den Demjanjuk-Prozess zuständigen Oberlandesgerichts München sagte, steht der Termin für einen Prozessbeginn aber weiter in den Sternen. So müsse die Anklage erst noch vom Gericht zugelassen werden. Außerdem könnten Demjanjuks Verteidiger dazu noch Einwände formulieren, die zunächst geklärt werden müssten.




Um Demjanjuks Überstellung aus den USA nach Deutschland hatte es ein monatelanges juristisches Tauziehen gegeben. Demjanjuk soll 1943 für ein halbes Jahr KZ-Wächter im NS-Vernichtungslager Sobibor gewesen sein. Er soll dafür wegen Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen angeklagt werden.

Der Leiter des Büros des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Efraim Zuroff, forderte nun einen raschen Prozessbeginn gegen Demjanjuk. Er sei sehr zufrieden zu wissen, dass es nun zum Prozess kommen könne, sagte Zuroff der Nachrichtenagentur AFP. Nun hoffe er aber auch, dass Demjanjuk so schnell wie möglich vor Gericht gestellt werde. Er sei davon überzeugt, dass Demjanjuk an der Endlösung - also der Tötung von sechs Millionen Juden durch die Nazis - beteiligt gewesen sei.

3. Juli 2009 - 14.42 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2009



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