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Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher Demjanjuk ist haftfähig

AFP VOM 13.5.2009 | Nachrichten - Allgemein | 1659 Aufrufe
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Demjanjuk, Mord

Nazi-Jäger Klarsfeld begrüßt geplanten Prozess

Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrechers John Demjanjuk ist haftfähig. "Unsere Ärzte haben gesagt, er ist haftfähig", sagte eine Sprecherin der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in München zu den Ergebnissen der ersten Untersuchungen des 89-Jährigen. Die für einen Prozess entscheidende Frage der Verhandlungsfähigkeit ist damit aber noch nicht geklärt. Ein medizinisches Gutachten dazu wird noch erarbeitet. Der französische Nazi-Jäger Serge Klarsfeld bergrüßte den geplanten Prozess gegen den KZ-Wächter John Demjanjuk in Deutschland.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft München I, Anton Winkler, sagte, der Gutachter müsse den 89-Jährigen gründlich untersuchen und dann die Untersuchungsergebnisse auswerten. Es liege nicht in der Hand der Staatsanwaltschaft, wann dies abgeschlossen werde. "In dieser Woche rechne ich nicht mehr mit einer Entscheidung. Wenn, dann frühestens nächste Woche." Die Verteidiger Demjanjuks argumentieren, ihr Mandant sei allein deshalb nicht verhandlungsfähig, weil er permanent Schmerzmittel nehmen müsse und sich wegen der Einnahme der Medikamente nicht selbst verteidigen könne.

"Es ist positiv, dass die Nazi-Verbrechen bis zum letzten Atemzug des letzten Verbrechers verfolgt werden", sagte Klarsfeld in Paris. Demjanjuk stehe für alle KZ-Bewacher, die den Holocaust in die Tat umgesetzt hätten. Klarsfeld kündigte an, mit Angehörigen von im NS-Vernichtungslager Sobibor getöteten Juden aus Frankreich bei dem Verfahren in Deutschland als Nebenkläger aufzutreten.

Demjanjuk sei einer der Handlanger des Holocausts gewesen, sagte Klarsfeld, der zusammen mit seiner deutschen Frau Beate jahrzehntelang flüchtige Nazis verfolgt und vor Gericht gebracht hat. "Er war einer von denen, den die Deportierten sahen, als sie in den Lagern ankamen, einer von denen, der sie in die Todesfabrik geschoben hat, die die Gaskammern waren."

Aus Frankreich seien 1943 etwa 4000 Juden nach Sobibor gebracht worden. Es habe weniger als 15 Überlebende gegeben. Ein in den 90er Jahren gegen Demjanjuk in Frankreich angestrengtes Verfahren habe zu nichts geführt, weil es der Justiz nicht gelungen sei, Zeugenaussagen zu erhalten.

Der 89 Jahre alte Demjanjuk war am Dienstag von den USA an Deutschland ausgeliefert worden. Er soll 1943 für ein halbes Jahr zu den Wachmannschaften im NS-Vernichtungslager Sobibor gehört haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem gebürtigen Ukrainer Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen vor. Demjanjuk bestreitet, je in Sobibor gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft lässt nun zunächst prüfen, ob er wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands überhaupt verhandlungsfähig ist.

13. Mai 2009 - 11.21 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2009


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