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Mutmaßlicher Mörder von Hannah legt zu Prozessbeginn Geständnis ab - 1/4
AFP vom 27.11.2007   |   14422 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - Vor Gericht

Mordgeständnis hinter Panzerglas

Angeklagter bleibt Erklärung für Bluttat an Hannah schuldig

Zdenek H. trägt Handfesseln, als er am Dienstagmorgen von Justizwachtmeistern in den Bonner Gerichtssaal geführt wird. Der 25-Jährige mit der Kurzhaarfrisur und dem gepflegtem Kinnbart muss hinter Panzerglas auf der Anklagebank Platz nehmen - das Bonner Landgericht ist in Sorge um die Sicherheit des jungen Mannes, dem ein furchtbares Verbrechen vorgeworfen wird. Gleich zu Beginn des Mordprozesses am Dienstag gesteht der homosexuelle Angeklagte, dass er vor drei Monaten die 14-jährige Schülerin Hannah aus Königswinter vergewaltigt und grausam ermordet hat. Eine Erklärung für die Bluttat bleibt er seinen Richtern freilich schuldig.

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Angesichts seines detaillierten Geständnisses kann Zdenek H. auf einen schnellen Prozess hoffen: Nach nur drei Verhandlungstagen will das Gericht schon am 6. Dezember das Urteil gegen den 25-Jährigen verkünden. Zuvor allerdings wird H. am Mittwoch dem Vater seines Opfers im Gerichtssaal begegnen. Die Strafkammer will Hannahs Vater zu dem Leid befragen, das der Mord an der 14-Jährigen über deren Familie gebracht hat. Dass der Vater vom mutmaßlichen Täter einen wie auch immer gearteten Grund für die Bluttat erfährt, erscheint allerdings nach dem Verlauf des ersten Prozesstages unwahrscheinlich.

Warum vergewaltigt ein Homosexueller ein junges Mädchen? Es deutet vieles daraufhin, dass diese zentrale Frage zum Motiv des Täters in dem Bonner Verfahren unbeantwortet bleiben wird. Zu Prozessbeginn sagt der junge Mann im dunklen Anzug auf der Anlagebank lediglich, ihm sei am Tatabend der Gedanke gekommen, eine Frau zu vergewaltigen. Warum er auf diesen Gedanken gekommen sei, fragt der Vorsitzende Richter Udo Buhren. "Keine Ahnung", lautet die Antwort des Angeklagten. Dessen Verteidiger Uwe Krechel hakt nach: "Sie haben doch gar kein Interesse an Frauen? Warum musste dies jetzt geschehen?" "Keine Ahnung", antwortet sein Mandant abermals.




Dabei gibt sich H. bei seiner Befragung durch das Gericht ansonsten durchaus auskunftsfreudig. Bereitwillig beantwortet er alle Fragen zum Tathergang, bestätigt grauenerregende Details der Vergewaltigung seines Zufallsopfers und des anschließenden Messer-Mordes. Seine Schilderung wirkt ebenso sachlich wie distanziert - eine furchtbare Kombination angesichts des brutalen Verbrechens, dessen er bezichtigt wird. Wenn er Sex mit einer Frau haben wollte, warum hat er sich diesen Wunsch nicht auf andere Weise erfüllt, will das Gericht wissen. Man hätte auch fragen können, warum H. beispielsweise nicht zu einer Prostituierten gegangen ist. Der Angeklagte weiß nach eigenem Bekunden keine Antwort auf diese Frage.

Nochmals versucht der Verteidiger, in die Gefühlswelt seines Mandanten vorzudringen. Ob er jemals an das Leid gedacht habe, dass er Hannah zugefügt und über ihre Familie gebracht habe, fragt Anwalt Krechel. "Ja", sagt H., daran habe er nach der Tat gedacht, als "alles vorbei" gewesen sei. Doch die Vorstellungswelt des Angeklagten bleibt zu Prozessbeginn verschlossen - offenbar auch seinemVerteidiger. Krechel sagt dazu später am Rande des Prozesses lediglich: "Gefühlskalt in vollem Umfang scheint er mir nicht zu sein."

Bei Fragen nach seiner eigenen Befindlichkeit nach dem Mord gibt sich H. dagegen vor Gericht weniger zurückhaltend. Nach der Tat sei er in die Wohnung zurückgekehrt, die er sich mit seinem damaligen Lebensgefährten in Königswinter teilte, und habe spät in der Nacht eine Folge der TV-Serie "Stargate" aufgenommen. Gleichzeitig habe ihn die Angst umgetrieben, dass man ihn wegen des Verbrechens zur Verantwortung ziehen werde, erinnert sich der 25-Jährige.

In den Tagen nach dem Mord sei es ihm auch körperlich schlecht gegangen, berichtet H. Er habe Magenbeschwerden gehabt und sich mehrfach übergeben müssen. Und als ob er unfreiwillig nochmals die Sinnlosigkeit der Bluttat unterstreichen wollte, fügt er hinzu: "Ich hatte die Bilder von Hannah im Kopf."

27. November 2007 - 14.07 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2007

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