Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Beginn des blutigen Bürgerkriegs im ostafrikanischen Ruanda hat die Polizei in Frankfurt am Main einen der mutmaßlichen Kriegsverbrecher gefasst. Der frühere Planungsminister der Hutu-Regierung wurde am Montag festgenommen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt (BKA) mitteilten. Der Justizminister Ruandas, Tharcisse Karugarama, begrüßte die Ergreifung von Augustin Ngirabatware, der vom Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda (ICTR) wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht wird. Er forderte eine schnelle Auslieferung.
Ngirabatware bewohnte nach Angaben der deutschen Behörden zuletzt im Großraum Frankfurt ständig unterschiedliche Wohnungen und Hotelzimmer. Derzeit sitzt er in Auslieferungshaft. Während des Bürgerkriegs 1994 in Ruanda soll er unter anderem Hutu-Milizen mit Waffen beliefert und somit den Völkermord an den Tutsi ermöglicht haben. Im Verlauf des Bürgerkriegs wurden nach UN-Angaben mehr als 800.000 Menschen getötet, überwiegend Tutsi und gemäßigte Hutu.
"Diese Festnahme eines seit langem vom ICTR gesuchten Mannes beweist den Willen einiger westlicher Länder, verdächtige ruandische Kriminelle, die vom internationalen Gericht gesucht werden, zu ergreifen", sagte Karugarama in Kigali. Er kündigte an, bald ein Auslieferungsgesuch an Deutschland zu stellen und forderte eine schnelle Überstellung Ngirabatwares.
Der heute 50-Jährige war von 1990 bis 1994 Planungsminister in Ruanda. Danach lebte er in Gabun und vor allem auch in Frankreich. Das ICTR mit Sitz im tansanischen Arusha soll den wichtigsten Verantwortlichen für den Völkermord in Ruanda den Prozess machen. Bisher wurden 28 Angeklagte verurteilt und fünf freigesprochen. Ngirabatware hatte im vergangenen Jahr ein Buch veröffentlicht, in dem er das Gericht für unrechtmäßig erklärte.
19. September 2007 - 20.08 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2007