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Mutmaßlicher Internet-Mörder gesteht Tötung zweier Frauen - 1/1
AFP vom 14.1.2009   1247 Aufrufe    Leserwertung: 0,0 (0 User)
Rubrik: Nachrichten - Vor Gericht

Mutmaßlicher "Internet-Mörder" gesteht Tötung zweier Frauen

Erste Tat laut Verteidigung allerdings ein Unglücksfall

Mit einem Teilgeständnis hat am Mittwoch vor dem Essener Landgericht der Prozess gegen einen mutmaßlichen "Internet-Mörder" aus Hamburg begonnen. Der wegen zweifachen Frauenmords angeklagte 27-Jährige gab in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung beide Tötungen zu, wie ein Gerichtssprecher sagte. Allerdings sei die erste Tat ein Unglücksfall gewesen. Bei der zweiten seien ihm nach einer Provokation die Sicherungen durchgebrannt. Der Mann hatte die Opfer aus dem nahegelegenen Stade und aus Marl im Ruhrgebiet in Chatrooms kennengelernt, laut Anklage tötete er beide mit zahlreichen Messerstichen. Eine Tat hatte er bereits vor Prozessbeginn eingeräumt.




Der von Verteidiger Burkhard Benecken verlesenen Stellungnahme zufolge hatte der 27-jährige Hamburger in den vergangenen Jahren sehr viel Zeit im Internet verbracht und in verschiedenen Chatrooms rund 300 Bekanntschaften, überwiegend mit Frauen, geschlossen. Mit etwa hundert Frauen habe er sich auch persönlich getroffen. Er lege Wert auf die Feststellung, "dass mit Ausnahme dieser zwei alle anderen 98 noch leben", hieß es laut Gerichtssprecher in der Erklärung der Verteidigung. Der Angeklagte sei kein Serienmörder. Bei den Treffen sei es überwiegend um "kurzfristige sexuelle Kontakte" gegangen.

Mit dem ersten Opfer, einer 26-Jährigen aus Stade, traf sich der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft am 5. Juni 2008. Den Angaben des 27-Jährigen von Mittwoch zufolge gerieten beide in einen Streit, die Frau habe ihn schlagen und er sie lediglich auf Abstand halten wollen. Dazu habe er sie "am Hals angefasst", woraufhin sie zu seinem Erschrecken tot zusammengebrochen sei. Die Leiche der Frau war erst 14 Tage später gefunden worden und bereits so stark verwest, dass die Todesursache nicht eindeutig geklärt werden konnte. Die Anklage geht von Messerstichen aus.

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Zu dem Mord an einer 39-Jährigen aus Marl vom 17. Juni ließ der Angeklagte am Mittwoch erklären, das Opfer habe nach einvernehmlichem Sex plötzlich Geld von ihm gewollt und gedroht, ihn andernfalls gegenüber der Polizei und im Internet der Vergewaltigung zu bezichtigen. Dies habe er als besondere Kränkung empfunden, da er als Sechsjähriger habe mitansehen müssen, wie sein Vater seine Mutter vergewaltigte. Er habe die 39-Jährige vergeblich gedrängt, ihre Aussage zurückzunehmen - dann seien bei ihm die Sicherungen durchgebrannt. Er habe "die Augen Jesu" gesehen und zugestochen.

Das Gericht will nach den Angaben des Sprechers in den zunächst 13 weiteren Verhandlungstagen auch die Frage klären, in welchem Umfang der Angeklagte schuldfähig ist. Neben Chat-Bekanntschaften und anderen Menschen aus dessen persönlichem Umfeld sind auch Polizeibeamte als Zeugen geladen. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

14. Januar 2009 - 14.21 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2009


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