Mutmaßliche Drahtzieher des Pokerraubs schweigen vor Gericht
AFP VOM 19.8.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 1924 Aufrufe Mehr zum Thema:Pokerraub
Verhandlung beginnt mit Streit über bewaffnete Polizisten im Saal
Mit Streit über die Anwesenheit von bewaffneten Polizisten im Gerichtssaal hat am Donnerstag der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Drahtzieher des Pokerraubs vor dem Berliner Landgericht begonnen. Ein 31-jähriger und ein 29-jähriger sind angeklagt, den Überfall auf ein Pokerturnier am Potsdamer Platz im März dieses Jahres angestiftet und organisiert zu haben. Die beiden Männer machten vom Schweigerecht Gebrauch.
Vier bewaffnete Polizisten mit schusssicheren Westen, die sich an der Rückseite des Zuschauerraums postiert hatten, erregten den Unmut der Verteidigung. Ein Anwalt mutmaßte, dass das Gericht das Bild von "gefährlichen" Angeklagten zeichnen wolle. Der Staatsanwalt hielt dem entgegen, dass die Polizei einen möglichen Befreiungsversuch aus dem Zuschauerraum heraus verhindern solle. Nach zahlreichen Unterbrechungen zogen zwei bewaffnete Polizisten aus dem Gerichtssaal ab und der Staatsanwalt verlas die Anklageschrift.
Dem 31-jährigen Angeklagten warf er vor, die Tat angestiftet zu haben. Laut Staatsanwaltschaft nahm er an dem Pokerturnier teil und beobachtete, dass die Wachmänner im Kassenbereich unbewaffnet waren und dass die Startgelder nicht in einem Tresor, sondern offen aufbewahrt wurden. Daraufhin habe er den Plan für den Überfall geschmiedet.
Der 29-jährige Angeklagte soll die vier Männer angeheuert haben, die den Raub später ausführten. Er soll sie laut Staatsanwalt am Tattag zum Potsdamer Platz gefahren und ihnen dort das Vorgehen beim Raub erklärt haben. Nach dem Überfall habe er die Täter in eine Tiefgarage gebracht und sei bei der Verteilung der Beute anwesend gewesen. Laut Staatsanwaltschaft betrug die Beute exakt 241.930 Euro. Eine Beutetasche mit weiteren knapp 450.000 Euro entriss ein Wachmann einem der Täter. Bisher sind lediglich rund 4000 Euro aus der Beute wieder aufgetaucht.
In einem früheren Prozess im Juli waren die vier direkt an der Tat beteiligten Männer bereits zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb Jahren und drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Für das Verfahren gegen die mutmaßlichen Drahtzieher hat das Gericht bisher 18 Prozesstage bis in den November angesetzt.
19. August 2010 - 14.51 Uhr
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