Mutmaßliches RZ-Mitglied Schindler als Rädelsführer angeklagt
AFP VOM 20.2.2001 | Nachrichten - Aktuelle Prozesse | 3733 Aufrufe Mehr zum Thema:RZ, Schindler, Klein, OPEC
- Nach Freispruch im OPEC-Prozess demnächst weiteres Verfahren
Den im Frankfurter OPEC-Prozess freigesprochenen mutmaßlichen Ex-Terroristen Rudolf Schindler erwartet ein weiteres Strafverfahren. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe erhob nach eigenen Angaben vom Dienstag Anklage gegen den 58-Jährigen beim Kammergericht Berlin wegen Rädelsführerschaft in den "Revolutionären Zellen" (RZ) und wegen eines Sprengstoffanschlags in Berlin vor 14 Jahren. Demnach soll Schindler von 1985 bis 1990 eine führende Position in einer von zwei Berliner RZ-Organisationen innegehabt und auch bundesweit zum Führungszirkel der als terroristische Vereinigung eingestuften Gruppe gehört haben.
Schindler war als Mitangeklagter des Ex-Terroristen Hans-Joachim Klein im OPEC-Prozess aus Mangel an Beweisen von dem Vorwurf freigesprochen worden, den Überfall eines Terrorkommandos auf die Wiener OPEC-Konferenz im Dezember 1975 mit vorbereitet zu haben. Gegen das Urteil des Frankfurter Landgerichts kündigte die Staatsanwaltschaft jedoch Revision an. Die Bundesanwaltschaft wirft Schindler in dem neuen Verfahren unter anderem vor, mit einem weiteren RZ-Mitglied am 6. Februar 1987 einen Sprengsatz an einem Gebäude der zentralen Sozialhilfestelle für Asylbewerber in Berlin-Wedding angebracht zu haben. Bei der Explosion war Sachschaden entstanden; Menschen wurden nicht verletzt.
Außerdem soll Schindler für zwei Schusswaffenattentate der RZ verantwortlich sein, die allerdings als Körperverletzungsdelikte strafrechtlich verjährt sind. Laut Anklage verletzte er am 28. Oktober 1986 den damaligen Leiter der Berliner Ausländerbehörde, Harald Hollenberg, vor dessen Haus in Berlin-Zehlendorf durch zwei gezielte Pistolenschüsse in die Beine. Am 1. September 1987 soll Schindler dem damaligen Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht, Günter Korbmacher, vor dessen Wohnhaus in Berlin-Lichterfelde gezielt in den Unterschenkel geschossen haben.
Die RZ verübten nach Erkenntnissen der Behörden von 1973 bis Mitte der neunziger Jahre mindestens 186 Anschläge. Wie die "Rote Armee Fraktion" (RAF) und die "Bewegung 2. Juni" enstanden die RZ und die ihr angeschlossene linksextreme Frauen-Organisation "Rote Zora" als militante Splittergruppen aus der Studentenbewegung von 1968. Im Gegensatz zur RAF, deren Mitglieder in die Illegalität abtauchten und Anschläge aus dem Untergrund planten, operierten zahlreiche RZ-Mitglieder als so genannte Feierabendterroristen anonym aus der Legalität heraus.
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