Mounir El Motassadeq - Hamburger Student unter Terrorismus-Verdacht
AFP VOM 4.12.2002 | Nachrichten - Aktuelle Prozesse | 23116 Aufrufe Mehr zum Thema:Motassadeq
- Marokkaner kam 1993 zum Studium nach Deutschland
Für den Vater ist er ein gläubiger Student, für die Bundesanwaltschaft ein Terrorist: Acht Jahre nach seinem Weggang aus der marokkanischen Heimat ist Mounir El Motassadeq als mutmaßlicher Komplize der Attentäter vom 11. September ins Visier der deutschen Justiz geraten. Der heute 28-Jährige kam 1993 zum Studium nach Deutschland. Zunächst lebte er nach Angaben seines Anwaltes Hans Leistritz im westfälischen Münster und lernte Deutsch. 1995 zog er nach Hamburg, schrieb sich an der Technischen Universität für das Fach Elektrotechnik ein. Dort soll er einige der späteren Attentäter kennengelernt haben, unter anderem deren mutmaßlichen Anführer Mohammed Atta.
Schon 1996 unterzeichnete er Berichten zufolge Attas Testament, gemeinsam mit dem kürzlich verhafteten Abdelghani M.. Der Bundesanwaltschaft zufolge war er Teil der Hamburger Terrorzelle, die sich spätestens im Sommer 1999 formiert habe. Mit anderen soll El Motassadeq im Frühjahr 2000 zur Schulung in ein El-Kaida-Lager nach Afghanistan gereist sein und eine Zeit lang ein Zimmer mit dem später nach Pakistan geflüchteten Ramzi Binalshibh geteilt haben.
Anders als die mutmaßlichen Komplizen Binalshibh, Said Bajahi und Zakariya Essabar tauchte El Motassadeq nicht unmittelbar vor den Anschlägen unter. Der Marokkaner blieb in Hamburg. Am 28. November 2001 ließ ihn die Bundesanwaltschaft dort festnehmen, seither sitzt er in Einzelhaft. Er bestreitet, von den Anschlagsplänen gewusst zu haben, und will vor Gericht seine Unschuld beteuern.
El Motassadeq ist mit einer zum Islam konvertierten Russin verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Schwester will aus Marrakesch zu dem Prozess nach Hamburg reisen. Dem Vater verweigerten die deutschen Behörden das Visum. Er hatte laut "Washington Post" im Frühjahr die Unschuld seines Sohnes beteuert: "Mounir hat sich nie für Politik interessiert", sagte Ibrahim El Motassadeq damals. "Er betete und glaubte."
18. Oktober 2002 - 13.03 Uhr
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