Motassadeq bestreitet Beteiligung an 11. September
AFP VOM 4.12.2002 | Nachrichten - Aktuelle Prozesse | 23115 Aufrufe Mehr zum Thema:Motassadeq
- Marrokaner in Hamburg wegen Beihilfe zu Mord angeklagt
Im weltweit ersten Verfahren um die Terroranschläge vom 11. September hat der Angeklagte Mounir El Motassadeq jegliche Verstrickung in die Attentate von New York und Washington zurückgewiesen. Er habe von den Anschlagsvorbereitungen nichts gewusst, sagte Motassadeq beim Prozessauftakt vor dem Hamburger Oberlandesgericht. Mit Blick auf seine Kontakte zu den Attentätern betonte der 28-jährige Marrokaner: "In so eine Richtung wurde nie gesprochen." Motassadeq muss sich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen verantworten.
Motassadeq räumte vor Gericht zwar freundschaftliche Kontakte zu den Attentätern ein, bei denen auch Kritik an den USA zur Sprache gekommen sei. Aber von dem mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden sei dabei nie die Rede gewesen. Mit dem Todespiloten Mohammed Atta, der als Kopf der Hamburger Terrorzelle gilt, habe er vor allem über religiöse, aber auch über politische Fragen diskutiert. Atta habe aber keinerlei Macht über ihn gehabt. Atta habe ihm vor seinem Weggang aus Hamburg gesagt, er wolle nach Malaysia gehen. Deshalb habe er sich nie über dessen Verschwinden gewundert.
Bundesanwalt Walter Hemberger erhob bei der Verlesung der Anklageschrift den Vorwurf, Motassadeq sei "Statthalter" der Terrorzelle in Hamburg gewesen, während sich die anderen Mitglieder bereits bei der Flugausbildung in den USA befunden hätten. Motassadeq und sein mutmaßlicher Komplize Said Bahaji hätten zusammen die Angelegenheiten der anderen geregelt und die Finanzausstattung der terroristischen Vereinigung sichergestellt. Motassadeq habe planmäßig die Abwesenheit der anderen aus Hamburg verschleiert. Er soll spätestens seit 1999 bis September 2001 Mitglied der Zelle gewesen sein.
Motassadeqs Verteidiger Hartmut Jacobi äußerte vor Gericht die Überzeugung, der Prozess werde mit einem Freispruch enden. Am Rande der Verhandlung bestritt Jacobi zudem den Vorwurf der Anklage, Motassadeq habe ein Konto verwaltet, mit dem die Kosten der "terroristischen Aktivitäten" Gruppe bestritten worden seien. "Die Zahlung unseres Mandanten betreffen Gaslieferung, Miete und Nebenkosten sowie einen Semesterbeitrag des späteren Attentäters Alshehhi, mit dem er freundschaftlich verbunden war."
22. Oktober 2002 - 16.06 Uhr
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