Im Hamburger Prozess um die Anschläge vom 11. September wollen die Verteidiger des Angeklagten Mounir El Motassadeq nun Vertreter der Bundesanwaltschaft als Zeugen befragen. Wie Anwalt Hartmut Jacobi am Mittwoch vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht sagte, sollen sich die Anklagevertreter zu ihnen angeblich bekannten US-Unterlagen über die Vernehmung des mutmaßlichen Organisators der Anschläge, Ramzi Binalshibh, äußern. Außerdem beantragte die Verteidigung, möglicherweise bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe vorhandene Vernehmungsunterlagen als Beweismittel zu beschlagnahmen.
Die Verteidigung berief sich in ihrem Antrag auf Presseberichte, wonach entsprechende US-Unterlagen seit Wochen auch bei der Bundesanwaltschaft kursieren sollen. Ein Vertreter der Bundesanwaltschaft bestritt dies erneut vor Gericht. Nach Ansicht der Verteidigung könnten die Aussagen des im vergangenen September in Pakistan festgenommen Binalshibh vor den US-Ermittlern den Angeklagten entlasten. Der Vorsitzende Richter Albrecht Mentz forderte die Vertreter der Bundesanwaltschaft auf, die für eine Zeugenaussage im Hamburger Terrorprozess nötige Aussagegenehmigung von Generalbundesanwalt Kay Nehm einzuholen.
Motassadeq nahm unterdessen vor Gericht Stellung zu Telefon- und Faxnummern mutmaßlicher saudiarabischer Islamisten, die Ermittler in seinen Unterlagen gefunden hatten oder die er gewählt haben soll. Dem Angeklagten zufolge handelt es sich um Nummern junger islamischer "Gelehrter" in Saudi-Arabien. Er habe sich in Glaubensfragen an sie wenden wollen und ihre Telefonnummern auf einer öffentlichen Internet-Seite gefunden.
Auf Nachfrage räumte Motassadeq ein, zumindest von einer Inhaftierung der "Gelehrten" gewusst zu haben. Von den insgesamt 19 Flugzeugattentätern des 11. September 2001 stammten 15 aus Saudi-Arabien. Laut Medienberichten gehen deutsche Ermittler Kontakten Motassadeqs vor dem 11. September zu islamischen Fundamentalisten in dem Königreich nach. Motassadeq ist wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen angeklagt und steht seit Oktober vor Gericht.
8. Januar 2003 - 15.16 Uhr
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