Mobbing – Liegt es an mir?

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Mobbing am Arbeitsplatz ist ein leider immer noch aktuelles Phänomen. Jeder, der davon betroffen ist, erlebt Dinge, die sich gravierend und nachhaltig auf die Persönlichkeit und die Psyche auswirken.

In der rechtlichen Aufarbeitung scheitern leider viele Fälle an dem Problem der Beweisbarkeit. Das Mobbing-Opfer muss nach den allgemein gültigen Prozessregeln beweisen, dass eine Mobbing-Situation ausschlaggebend für Ansprüche auf Schmerzensgeld oder Schadenersatz ist. Dies ist jedoch oft kaum möglich. Bei Erkrankungen wird es z.B. schwierig, zu beweisen, dass die Erkrankung gerade auf der Mobbing-Situation beruht und nicht auch ohne diese Situation aufgetreten wäre.

Als beratender Anwalt kann man nur jedem Betroffenen raten, ein Mobbing-Tagebuch zu führen, in dem man kontinuierlich Vorfälle, Daten und Beteiligte notiert. Nur ein solches Tagebuch beinhaltet die Chance einer erfolgreichen Beweisführung vor Gericht.

Viel schwerer als manches Gerichtsverfahren wiegen allerdings die Probleme, denen der Betroffene in seinem Alltag ausgesetzt ist. Das typische Opfer isoliert sich, fühlt sich unverstanden und überlegt, ob vielleicht das eigene Verhalten zu Mobbing geführt hat.

An dieser Stelle ist oft schon ein großer Teil an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen verloren gegangen. Dies geht sogar so weit, dass der Betroffene kaum wagt, sich in einem anderen Unternehmen zu bewerben. Er befürchtet, dass ihn auch an einem neuen Arbeitsplatz wieder eine Mobbing-Situation erwartet und selbst für das Bewerbungsgespräch fehlen Mut und Selbstvertrauen.

Fakt ist jedoch, dass es nicht das typische Mobbing-Opfer gibt. Mobbing-Strukturen gedeihen vorwiegend in einem Betriebsklima, das geprägt ist von einer schwachen Führungsstruktur und in dem mangelnde Personalführungskompetenz vorhanden ist. Mobbende Kollegen sind sich deshalb bewusst, dass ihr Verhalten keine ernsthaften Konsequenzen nach sich zieht.

Fakt ist auch, dass nahezu jeder ein Opfer von Mobbing werden kann. Es gibt in Gruppen, und dazu gehört jedes Unternehmen, verschiedene Charaktere mit unterschiedlich hohem Selbstbewusstsein. Eine vermeintlich schwächere Person wird allerdings in gut geführten Unternehmen unterstützt und gefördert, so dass diese Person kaum Opfer von Mobbing werden wird.

Zweifel an der eigenen Person und am Verhalten sind deshalb zwar typisch für Mobbing-Opfer, aber die Gründe für das Mobbing liegen oft ganz woanders. .

Betroffene sollten deshalb neben anwaltlicher Beratung auch in Erwägung ziehen, in therapeutischer Hinsicht Hilfe in Anspruch zu nehmen, um tiefere Verletzungen in Persönlichkeit und Psyche zu vermeiden.


Martina Knoch
Rechtsanwältin

Märkische Strasse 86-88
44141 Dortmund

Tel. : 0231 – 43 87 83 88
Fax: 0231 – 24 96 91 92

www.kanzlei-knoch.de
www.portal-mobbing.de

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