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Mitarbeiter kriegen Rechnung

7.1.2006 Thema abonnieren Zum Thema: Mitarbeiter
 Von 
nms-georg
Status:
Frischling
(33 Beiträge, 2x hilfreich)
Mitarbeiter kriegen Rechnung

Hallo.

Es ist folgendes passiert. Ich arbeite in einem Laden ( Solarium, Kosmetik,...) als Teilzeit-Aushilfe. Neben mir arbeiten dort noch etwa 20 andere Aushilfen und dann gibt es noch den Chef vom Solarium und die Chefin von der Kosmetik.

Problem1:
Vor ein paar Wochen hat irgendjemand (laut Arbeitsplan von dem Tag kommen 5 Leute in Frage) gut 20 Handtücher verfärbt. Ob mit absicht, aus dummheit oder ausversehen ist natürlich nicht klar...
Kosten für neue Handtücher 130Euro

Problem2:
Nebenbei werden bei uns auch Süßigkeiten, Cremes, etc. verkauft. Die Inentur ergab einen Fehlbestand im Wert von 75Euro...

Problem3:
Am Monatsende haben mal wieder wegen falschem kassieren 50Euro in der Kasse gefehlt...

So, jetzt hat der Chef uns Aushilfen die 130Euro + 75Euro + 50Euro in Rechnung gestellt (also vom letzten Monatsgehalt abgezogen...)


Nun meine Frage, darf er das? Ich mein wir können doch nix dafür das geklaut wird. Der Laden ist sehr groß und verwinkelt und man ist meistens alleine da...

Und wieso sollen alle für die Handtücher bezahlen, wenn man es mehr oder weniger einschrenken kann wer es war. Wieso sollen Leute dafür gerade stehen, wenn sie an diesem Tag/Woche gar nicht gearbeitet haben???

Was können wir als Mitarbeiter tun???

Hoffe auf viel gute Ratschläge...

Gruß, die Aushilfe...

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben 82 weitere Fragen zum Thema
Mitarbeiter


11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
CForce
Status:
Praktikant
(661 Beiträge, 76x hilfreich)

natürlich darf der Chef nicht Leute bestrafen, die mit Sicherheit nichts gemacht haben. Wer nicht da war, als die Handtücher verfärbt wurden, muss auch nichts zahlen.

Hier sollte sofort Lohnzahlungsklage vor dem Arbeitsgericht erhoben werden um keine Zeit zu verlieren.
Generell dürfte der Chef nur dann von dem Schuldigen (und nicht von allen 5 Verdächtigen) Geld verlangen, wenn dieser fahrlässig gehandelt hat. Auch das müsste bewiesen werden.
Deshalb sollten auch die Verdächtigen Lohnzahlungsklage erheben.
Und keine Angst um den Arbeitsplatz:
Wenn alle (natürlich von einanderer unabhängig) Klage erheben, wird er schon nicht alle rauswerfen.
Ich kenne den Chef nicht, deshalb könnte es auch sinnvoll sein, vorher mit dem Chef zu reden und den Standpunkt klar zu machen. Wenn er sich aber stur stellt, oder Zeit schinden will, dann direkt vor Gericht. Ein Mahnbescheid würde die Sache nur in die Länge ziehen.

Auch bei den anderen Fehlbeständen gilt:
Die Angestellten haften nur bei Fahrlässigkeit oder Vorsatz. Und das muss bewiesen werden. Eine generelle Haftung gibt es nicht.
Also sollte auch das Geld notfalls eingeklagt werden.

_____________________
Ich habe jetzt nicht sicher verstanden, ob der Chef jedem Mitarbeiter das ganze Geld abgezogen hat, oder es auf die MA verteilt hat.
Ist zwar beides nicht legal, aber wenn er jedem Mitarbeiter über 200 € abzieht, dann könnte das auch eine Sache für eine Strafanzeige sein.

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#2
 Von 
Sunbee 1
Status:
Gelehrter
(10676 Beiträge, 2004x hilfreich)

@nms-georg

was steht zur haftung im av?
wie wurde der abzug berechnetund begründet?

sunbee

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#3
 Von 
CForce
Status:
Praktikant
(661 Beiträge, 76x hilfreich)

kleiner Nachtrag:

Wenn im AV was zur Haftung geregelt ist, gilt natürlich das.
Aber auch nur dann, wenn diese Regelung nicht gegen das Gesetz verstößt.
Und ich glaube kaum, dass sich eine Generalhaftung mit dem Gesetz begründen lässt (im Fall der Handtücher)

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#4
 Von 
venotis
Status:
Unparteiischer
(9555 Beiträge, 1786x hilfreich)
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#5
 Von 
nms-georg
Status:
Frischling
(33 Beiträge, 2x hilfreich)

Hallo.

Vielen lieben Dank für die zahlreichen Antworten...

Also im Arbeitsvertrag steht nix, denn wir haben alle keinen bekommen...Alles nur mündlich...

Das mit den Handtüchern ist jetzt das erstemal passiert...

Aber dasmit den Kassenfehlebträgen ist eigentlich jeden Maonat so. Bisher waren es aber immer nur so max. 1Euro pro Person und das haben wird dann so hingenommen...

Und zu dem kaluen, ich mein wir gucken ja nicht extra weg oder so wenn jemand klaut. Kameras oder so gibt es nix...Alles steht frei auf der Theke herum und kann von jedem gegriffen werden...
Nebenbei ist noch zu sagen, das der Chef sehr oft dabei gesichtet wird, wie er sich selbst was nimmt und es nicht verbucht im Computer...


Könnt ihr mir vielleicht noch ein paar § zu den Fällen nennen, damit wenn wir mit ihm reden, auch mal klartext reden können???

Ich muss sagen,das die meisten die dort arbeiten nicht älter als 20 sind...Also keine großartige Erfahrung mit Gesetzen und so haben...Die würden nie so weit gehen ( mit Klage und so), aber ich sehe es langsam nicht mehr ein, den Mist von anderen bezahlen zu müssen...

danke nochmals...

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#6
 Von 
venotis
Status:
Unparteiischer
(9555 Beiträge, 1786x hilfreich)

georg, §§ gibts da keine zu nennen. Schau dir doch einfach mal die URL an, die ich dir reinkopiert hab.

MfG

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#7
 Von 
Sunbee 1
Status:
Gelehrter
(10676 Beiträge, 2004x hilfreich)

@nms-georg

unter 20 und nicht für seine rechte kämpfen? was wollt ihr denn mal machen, wenn er den lohn gar nicht zahlt aus fadenscheinigen gründen?
klar könnte er alle rausschmeißen, das würde ihm aber nicht gut bekommen, wenn ihr klage dagegen erhebt! möglichst dann noch alle zu einem anwalt, macht sich gut vorm arbeitsgericht

mal grundsätzlich, ein av ist ein av, auch wenn er mündlich ist! außerdem ist der ag verpflichtet, spätestens 4 wochen nach arbeitsantritt, den schriftlichen nachzureichen.
der ag könnte einpacken, wenn es nix schriftliches gibt, vor einem arbeitsgericht wird dann vom tariflohn ausgegangen....und ich nehme mal an, den zahlt er nicht?
führt er eigentlich sozialversicherungen ab? steht auf den gehaltsabrechnungen.
habt ihr ne meldung zur sozialversicherung?

was @venotis schreibt, stimmt! ich gehe mal auch davon aus, dass der ag kein mankogeld bezahlt?
ihr solltet eure dinge schriftlich klären, heißt, den ag auffordern, den abgezogenen betrag unverzüglich auszuzahlen.

ein wenig mehr mut, wenn ihr eure rechte kenntund freundlich darstellt, dass dies so ist, werdet ihr besser behandelt. duckmäusern hilft euch nicht!!!


sunbee

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#8
 Von 
nms-georg
Status:
Frischling
(33 Beiträge, 2x hilfreich)

Ja,danke. Meine Frage war etwas voreilig - hab ich mir schon ausgedruckt. Danke...


Hab mal noch so eine andere Frage. Ich hab damals in der Schule mal gelernt, dass ein Betrieb mit 8 oder mehr Mitarbeitern einen Betriebsrat brauchen. Wie ist das denn mit Teilzeitkräften, muss das dann irgendwie hochgerechnet werden mit den Stunden oder wie läuft das???

Danke..

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#9
 Von 
nms-georg
Status:
Frischling
(33 Beiträge, 2x hilfreich)

Also bei der Sozialversicherung sind wir gemeldet...

Von einem Mankogeld habe ich da nix gehört....


Sagen wir es mal so, bei uns gibt es nur 400Euro-Kräfte, keine einzige Festangestellte...


Das Problem ist nur, das die meisten den Job lieber machen mit ein paar Abstrichen als vor Arbeitsgericht zu ziehen und dann rausgeschmissen zu werden...

Ich mein ansich ist die Arbeit ganz cool und wenn so max. 1 Euro pro Monat abgezogen wird, weil jemand statt 4Euro 6Euro rausgegeben hat, damit kann ich leben - aber nicht mit solch hohen Summen...

Und bezüglich Tariflohn - keine Ahnung ob es da überhaupt ein Tariflohn für uns gibt. Es ist ein Solarium+kosmetik, unter was fällt denn das? Dienstelsitung, Einzelhandel???

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#10
 Von 
Sunbee 1
Status:
Gelehrter
(10676 Beiträge, 2004x hilfreich)

@nms-georg

super! du hast also gemerkt, ihr kommt besser im arbeitsleben klar, wenn man sich mal wehrt....freut mich.
ab 5 mitarbeitern kann man nen betriebsrat wählen und das beste daran: der ag kann nix machen, brm stehen auch unter besonderem kündigungsschutz. aber zu den dingen kann @venotis dir sicher mehr sagen.
gewerkschaften sind zwar irgendwie( warum auch immer) unmodern, aber es kann sich lohnen, dort mitglied zu sein

noch mal: wenn ein an klagt, wie hier sicher gewinnt, dann kann der ag im anschluß gern kündigen. dann wird eben wieder klage, diesmal gegen die Kündigung erhoben. die steht dann ja sehr offensichtlich im zusammenhang mit dem vorherigen verfahren!

... lieber n paar abstriche hinnehmen heißt der willkür ausgesetzt sein, weil cheffe droht, da stehen 5 millionen vor der tür die arbeit suchen...genau das ist das problem:
so werden löhne gedrückt, ängste ausgenutzt.

sunbee

-- Editiert von sunbee1 am 07.01.2006 23:38:30

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#11
 Von 
CForce
Status:
Praktikant
(661 Beiträge, 76x hilfreich)

außerdem kann der Chef nicht einfach so kündigen, nachdem er verklagt wurde. Also ist das Argument mit dem coolen Job der besser als gar nichts ist auf den zweiten Blick kein so gutes Argument mehr
Selbst der dümmste Chef weiß, dass er damit einfach nochmal verklagt wird - diesmal wegen der Kündigung.
Und wenn er es drauf ankommen lässt: Umso besser! Sobald man die Kündigung (123recht.net Tipp: Kündigung Arbeitsvertrag Arbeitnehmer ) erhält wird geklagt. Wenn man Glück hat, wird man noch freigestellt oder fristlos entlassen: Dann muss man nichtmal arbeiten gehen und bekommt danach vom Gericht das Gehalt zugesprochen...

Und dann kommen nochmal Kosten auf ihn zu.
Außerdem besteht die Gefahr, dass es irgendeinem unterbeschäftigtem Lokalreporter auffällt, dass die Firma oft vor Gericht ist. Sowas kommt zwar nicht sehr oft vor, aber da kann man auch nachhelfen

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