Misshandlung von Soldaten: Bundeswehrverband will Aufklärung
AFP VOM 10.2.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 994 Aufrufe Mehr zum Thema:Bundeswehr, Misshandlung
Wehrbeauftragter: Behördliche Ermittlungen möglich
Nach dem Bekanntwerden entwürdigender Mutproben und Aufnahmerituale bei der Bundeswehr mehren sich Forderungen nach rascher Aufklärung. Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, verlangte, Konsequenzen aus den möglichen Misshandlungen von Soldaten bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald zu ziehen. Bei der Bundeswehr laufen interne Ermittlungen zu dem Fall.
Ein Soldat des Gebirgsjäger-Bataillons 233 in Mittenwald hatte sich bei dem Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) über entwürdigende Mutproben und Aufnahmerituale beklagt. Der Beschwerde zufolge mussten Soldaten bis zum Erbrechen Alkohl trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufsteigen zu können. Kirsch sagte dazu im Sender N24, "wenn sich das alles so bestätigt, wie es sich heute darstellt, dann müssen die zur Rechenschaft gezogen werden, die das gemacht haben, und auch diejenigen, die weggeschaut haben."
Die Bundeswehr ermittelte nach eigenen Angaben intensiv zu den Vorwürfen. Wieviele Soldaten in die Fälle verwickelt seien, könne man zurzeit noch nicht abschätzen, sagte ein Sprecher der den Gebirgsjägern übergeordneten zehnten Panzerdivision der Nachrichtenagentur AFP. In dem dem Wehrbeauftragten gemeldeten Fall vom Sommer vergangenen Jahres seien vorgesetzte Dienstgrade auf keinen Fall involviert gewesen.
Der Sprecher bestätigte, dass es Hierarchie-Rituale im Hochgebirgsjägerzug schon seit Ende der 80er Jahre gegeben habe, der sogenannte Fux-Test für junge Rekruten sei etwa Mitte der 90er Jahre hinzugekommen. Vorgesetzte Dienstgrade hätten die Rituale untersagt, als sie davon erfuhren. Es scheine aber so zu sein, das die Vorfälle dennoch weitergingen. Ob die Staatsanwaltschaft ermitteln wird, hängt dem Sprecher zufolge vom Resultat der internen Untersuchung ab.
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine Prüfung angekündigt. Er leistete Anfang der 90er Jahre selbst seinen Grundwehrdienst beim Gebirgsbataillon 233. "Ich hatte von solchen Praktiken keine Kenntnis", sagte Guttenberg der "Sächsischen Zeitung".
Der Mittenwalder Gebirgsjägerzug war bereits im Jahr 2006 in die Schlagzeilen geraten: Die Staatsanwaltschaft München ermittelte wegen eines Skandals um Fotos von Totenschändungen in Afghanistan gegen zwei Soldaten des Bataillons. Die Ermittlungen wurden eingestellt, weil sie verjährt oder nicht strafrechtsrelevant waren.
10. Februar 2010 - 20.18 Uhr
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