Missbrauchsopfer haben vom Jesuitenorden eine zügige Entschädigung verlangt. "Ich appelliere an die Jesuiten, jetzt mit einem belastbaren Vorschlag für eine Entschädigungsregelung an die Öffentlichkeit zu treten", sagte der Opfer-Vertreter Matthias Klatsch vom "Eckigen Tisch". Die derzeitige Situation sei unbefriedigend, kritisierte er. Der Jesuitenorden habe einerseits sein Verständnis für die Opfer zu erkennen gegeben, andererseits fehle es an konkreten Angeboten.
Ende Januar war durch Aussagen mehrerer ehemaliger Schüler bekannt geworden, dass es am Canisius-Kolleg in Berlin - einem Gymnasium der Jesuiten - in den 70er und 80er Jahren einen systematischen sexuellen Missbrauch von Kindern gegeben hatte. In der Folge wurden zahlreiche weitere Fälle bekannt.
Mit den Missbrauchsskandalen befasst sich seit April auch ein von der Bundesregierung eingesetzter Runder Tisch aus Vertretern von Schulen, Kirchen und Opferverbänden. Der "Eckige Tisch" gründete sich in Abgrenzung zu ihm und repräsentiert vor allem die Opferinteressen. Der "Eckige Tisch" stellte ein neues Gutachten vor, für das die Verantwortung des Ordens für einzelne Missbrauchsfälle untersucht worden war. Erstellt wurde es von der früheren Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne).
Fischer kam zu dem Schluss, dass "der Jesuitenorden als pädagogische und moralische Instanz" versagt habe. "Es wurde nicht nachgeforscht, in welchem Ausmaß sexueller Missbrauch durch die Patres erfolgte", heißt es in ihrem Bericht. Außerdem seien strafbare Handlungen nicht verfolgt und nicht dafür gesorgt worden, dass Jugendliche nicht in Gefahr gerieten, nachdem die Täter zu anderen Arbeitgebern gewechselt waren. Fischer forderte den Orden auf, die Ausbildung jesuitischer Lehrer zu verbessern, um künftigen Machtmissbrauch zu vermeiden.
26. Juli 2010 - 15.38 Uhr
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