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Miserable Vorstellung vom FC Hollywood
Seite 1 - del vom 11.10.2000

Miserable Vorstellung vom FC Hollywood

Nach großem Trara jetzt Kindergeburtstag. Frei nach dem Motto: Alles was Du sagst, biste selber! Nun droht unser deutscher Vorzeigefussballmanager Uli Hoeneß seinerseits mit Klagen. In seiner mit Spannung erwarteten Pressekonferenz am 10. Oktober gab es nicht die erwartete Sensation - stattdessen versuchte Hoeneß, sich den Weg freizuschießen. Alle wolle er verklagen, die behaupten, er hätte Christoph Daum mit Drogen, Erpressung und Prostitution in Verbindung gebracht. Wir zittern schon. Das Münchener Abendblatt jedenfalls kuscht - und entschuldigt sich brav. Hoeneß sei falsch zitiert worden.
Mag sein. Der untaugliche Versuch der Rechtfertigung von Hoeneß bei seiner Pressekonferenz jedoch offenbarte einmal mehr dessen Scheinheiligkeit.

Fakt Nummer Eins: Herr Hoeneß bezieht sich bezüglich des Drogenkonsums nach wie vor auf Gerüchte, die ausserhalb des Bayernstammtisches eher unbekannt waren. Denn Hoeneß stehe dazu, dass eine so wichtige Position wie die des Bundestrainers nicht mit einer Person besetzt werden sollte, um die Drogengerüchte kursieren.
Ist doch schön, da sorgt sich einer um das Ansehen Deutschlands. Nur ist der Bundestrainer nicht der Bundespräsident. Ein Fußballbundestrainer soll in erster Linie (man verzeihe mir dieses Wortspiel) dafür Sorge tragen, dass die Mannschaft gut spielt. Denn, Herr Hoeneß, unser Land ist nicht aufgebaut auf den Pfosten eines Fussballtores, und unsere Verfassung beginnt nicht mit den Worten "Die Würde des Fussballs ist unantastbar."
Unser Land ist aufgebaut auf Rechtsstaatlichkeit. Dazu gehört auch und vor allem, dass niemand verurteilt wird, solange seine Schuld nicht bewiesen ist. Das gilt auch in Bayern.

Fakt Nummer Zwei: Die Gerüchte um Daum sollen ja schon lange bestanden haben. Dies betonen Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer immer wieder. Bei der Abstimmung zur Nachfolge von Rudi Völler wusste Bayernmanager Hoeneß demnach schon von angeblichen Fehltritten des Leverkusener Trainers. Wie alle anderen brüllte aber auch er Hurra, als Daum zum Retter des deutschen Fussballs erklärt wurde.
Es begab sich, dass die Deutsche Nationalmannschaft ungewöhnlich gut spielte und sogar gewann! Eine Woche vor dem Länderspiel gegen England brach Herr Hoeneß daher plötzlich einen Zaun für Rudi Völler und kritisierte offen die Bewerbung einer Person, um die gewisse Gerüchte kursierten. Wie sollen wir das verstehen, wenn Hoeneß jetzt in seiner Pressekonferenz behauptet, seine Kritik hätte nichts mit Daum persönlich zu tun? Eine Entschuldigung in Richtung Daum blieb aus.

Fakt Nummer Drei: In der von Uli Hoeneß gegebenen Pressekonferenz wurden wieder die tatsächlich bestehenden staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Christoph Daum wegen "dubioser Immobiliengeschäfte" angesprochen. Eine Person könne sich doch nicht als Bundestrainer bewerben, wenn die Staatsanwaltschaft gegen sie ermittle. Auch hier gilt wieder: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, selbst eine Anklage vor Gericht sind noch kein Schuldspruch. Sehnsüchtig schauen wir nach Amerika, wo ein Präsident trotz sexueller Eskapaden im Amt bleiben kann und nach wie vor einen angemessenen Job macht.

Fakt Nummer Vier: Er wird zwar der Kaiser genannt, aber auch für Franz Beckenbauer gilt das Rechtssystem unseres Landes. Nach dem Länderspiel gegen England betonte dieser zwar, dass alle und auch Hoeneß einem Bundestrainer Daum zugestimmt hätten. Im nächsten Satz forderte er allerdings indirekt von Christoph Daum den Unschuldbeweis: die Gerüchte um Daum kursierten schon seit Jahren, es wäre doch an der Zeit für diesen, den Anschuldigungen entgegenzutreten und sie aus der Welt zu schaffen.
Oh Gott. Jedem Verfassungsrechtler kommt die Galle hoch. Mittelalterliches Rechtsverständniss im Jahr 2000. Die angebliche Hexe muss mit einem Besen in den Abgrund springen und beweisen, dass sie auf diesem nicht fliegen kann. Wenn sie unten aufschlägt, dann waren die Anschuldigungen zwar falsch, aber wenigstens ist ihre Ehre wieder hergestellt.
Hut ab vor Christoph Daum, der sich derart in die Enge getrieben fühlte, dass er sich eine Haarprobe entnehmen ließ - entgegen seinem und jeglichem rechtsstaatlichen Verständnis.

Mag sein, dass die Schlammschlacht nicht von Uli Hoeneß, sondern von der Presse aufgebauscht wurde. "Ich habe die Tragweite dieser Geschichte unterschätzt," so Hoeneß. Ziemlich unglaubwürdig für einen Mann, der die Medienplattformen schon immer für seine Zwecke ausgenutzt hat. Unsere bayerischen "Kämpfer im Namen deutscher Tugend" sollten sich mal an die eigene Nase fassen. Der Spiegel gehört nämlich an die Wand, meine Herren, und ist einzig zum Hineinschauen gedacht.



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Ernst G. Mohr, St. Georgen
beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Miet und Pachtrecht, Familienrecht, Strafrecht und hat Interessensschwerpunkte: Baurecht, Erbrecht.
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