Mediation - Eine Alternative zum Gericht

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Mediation - Eine Alternative zum Gericht

Wenn Sie sich streiten, kann es sein, dass Sie nicht gewinnen. Aber Sie verlieren auch nicht. Der Streit wird also nicht entschieden. Entweder Sie oder die andere Seite geht daraufhin zu Gericht, und jeder hofft zu gewinnen. Der Richter, also ein Dritter, entscheidet dann den Streit nach dem Gesetz, an das beide Parteien vielleicht gar nicht gedacht haben. Oder das beide anders verstanden haben. Der Richter gründet seine Entscheidung ausschließlich auf die Vergangenheit und bewertet sie nach den Regeln des Gesetzes. Unser Rechtssystem bietet dazu drei Instanzen. Das heißt, Sie müssen nicht am Anfang gewinnen, sondern in der letzten Instanz. Das kann lange dauern, und ob Sie gewinnen, kann man nicht immer voraussagen. Bei Gericht gewinnt immer nur einer. Weil der andere verliert, ist der nächste Prozeß schon vorbestimmt, denn auch der Verlierer will einmal gewinnen.

Eine Alternative dazu bietet die Mediation. In der Mediation streiten auch zwei Parteien. Allerdings entscheidet nicht ein Dritter, sondern die Parteien selber. Da das nicht von alleine geht, ziehen sie einen Mediator hinzu, der nicht wie der Richter die Aufgabe hat, den Streit zu entscheiden. Ein Mediator hilft nur den Streitenden, eine Lösung im Interesse beider Parteien zu finden. Während das Recht einen Streit auf einen bestimmten Punkt begrenzt und einschränkt, analysiert der Mediator zusammen mit den Parteien den Streit. Meistens gibt es mehrere Ebenen, Interessen und Gründe des Streites. Werden diese offengelegt, gibt es zur Überraschung der Parteien auf einmal eine Lösung, die beiden Seiten hilft, die bisher aber verborgen war.

Der Mediator hilft den Parteien insbesondere dadurch, dass er nicht nur die Vergangenheit offen legt, sondern dadurch, dass er die Frage stellt, wie es in Zukunft weitergehen soll. Er verengt den Sachverhalt also nicht auf die Vergangenheit, sondern öffnet den Blick in die Zukunft. Dabei geht er von den Grundsätzen der Selbstbestimmung, der Freiwilligkeit und der Zukunftsorientiertheit aus. Diese Elemente sind so reichhaltig, mehrere Lösungsmöglichkeiten zu eröffnen als am Anfang erkennbar waren. In der Mediation werden gerade aus der Vielfalt der Beziehungen und der Komplexität der Wirklichkeit mehrere Optionen erarbeitet, aus denen sich die Parteien diejenige aussuchen, die beiden am besten gefällt. Da diese Lösungen nicht offen zu Tage liegen, bedarf es wie im gerichtlichen Verfahren eines Dritten, nämlich des Mediators, der jedoch nicht an Stelle der Parteien für sie eine Entscheidung trifft, sondern zusammen mit ihnen eine passende Lösung erarbeitet.

Ein Beispiel: Zwei Kinder streiten sich um eine Apfelsine.

Während der Richter die Frage stellen würde, wem die Apfelsine gehöre, fragt der Mediator jeden der beiden, warum er die Apfelsine haben möchte. Als der eine sagt, er brauche die Schale und der andere antwortet, er wolle den Saft, ist die Lösung für jeden erkennbar. Selbst die so genannte salomonische Lösung eines Richters, die Apfelsine zu teilen, wäre offensichtlich weniger als die Lösung der Mediation, dem einen die Schale und dem anderen den Saft zu geben.

Die Gerichte bieten drei Instanzen an, um einen Streit zu lösen. Dies kostet Zeit und Geld. Wie lange es dauert, weiß man vorher nie. Die Gebühren des Gerichts und der Rechtsanwälte kann man ziemlich genau berechnen.

Die Mediation dagegen dauert je nach Schwierigkeit des Streites fünf bis zehn Sitzungen oder auch mehr. Die Stunde des Mediators kostet zwischen 150 € und 300 €. Die Vorteile der Mediation sind also leicht zu erkennen.

Rechtsanwalt
Christian Beyerle

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