Mannesmann-Prozess nach 31 Verhandlungstagen auf der Zielgeraden
AFP VOM 15.6.2004 | Nachrichten - Nachrichten | 2409 Aufrufe Mehr zum Thema:Mannesmann, Mannesmann-Prozess
- Landgericht Düsseldorf will Mittwoch Beweisaufnahme schließen
Das Düsseldorfer Landgericht hat es sich mit der Wahrheitsfindung im Mannesmann-Prozess nicht leicht gemacht: Seit Beginn des spektakulären Verfahrens am 21. Januar hat die Wirtschaftsstrafkammer an 31 Verhandlungstagen 55 Zeugen vernommmen - mit dem Ergebnis, dass die angeklagten Topmanager der für Mittwoch geplanten Schließung der Beweisaufnahme durchaus beruhigt entgegen sehen können. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der frühere Mannesmann-Konzernchef Klaus Esser und ihre vier Mitangeklagten dürfen in dem Untreueprozess mit Freisprüchen rechnen. Das Urteil könnte nächsten Monat fallen.
Die Niederlage für die Staatsanwaltschaft in dem schlagzeilenträchtigten Wirtschaftsprozess zeichnet sich spätestens seit dem 31. März ab. Damals machte die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer deutlich, dass sie nach gut zweimonatiger Hauptverhandlung in den Millionenzahlungen an aktive und frühere Mannesmann-Vorständler keine strafbare Handlung im Sinne des Untreuevorwurfs der Anklage sieht. Zwar nannte Koppenhöfer die Zahlung von 57 Millionen Euro bei der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone vor gut vier Jahren "aktienrechtlich unzulässig". Strafrechtlich jedoch könnten den Angeklagten, darunter auch der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, keine Verfehlungen nachgewiesen werden.
Dies gilt nach bisheriger Auffassung des Gerichts auch für jene knapp 16 Millionen Euro, die Esser nach der Übernahme durch Vodafone als Anerkennungsprämie ("appreciation award") aus Mannesmann-Vermögen erhielt. Vergeblich versuchten die Staatsanwälte an den zurückliegenden Verhandlungstagen nachzuweisen, dass der Ex-Mannesmann-Chef diese Summe gleichsam als Gegenleistung für die Aufgabe seines Widerstands in der Abwehrschlacht gegen Vodafone kassiert haben soll. Rückendeckung erhielt Esser im Prozess unter anderem vom früheren Vodafone-Chef Chris Gent und dem ebenfalls als Zeuge vernommenen Geschäftsführer des Ex-Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa, Canning Fok. Gent und der per Videoleitung in Hongkong befragte Fok bezeichneten die Höhe der Prämie zudem als durchaus angemessen.
Auch im zweiten zentralen Punkt ihrer Anklage konnten sich die Staatsanwaälte bislang vor der Strafkammer nicht durchsetzen. Bei den knapp 32,5 Millionen Euro, die per Aufsichtsratsbeschluss als Pensionsabfindungen an ehemalige Mannesmann-Manager geflossen waren, machte das Gericht in seiner Zwischenbilanz Zweifel an einer vorsätzlichen strafbaren Handlung der Beschuldigten geltend. Diese Zweifel seien "zu Gunsten der Angeklagten" auszulegen, sagte Koppenhöfer. An dieser Auffassung der Richter konnte offenbar auch eine Fülle von Beweisanträgen nichts ändern, mit der die Staatsanwaltschaft in der Folgezeit das Gericht umstimmen wollte: Bis meisten Anträge wurden von der fünfköpfigen Strafkammer abgelehnt.
Nachdem die Ankläger in der vergangenen Woche ihren Verzicht auf weitere Hauptbeweisanträge erklärten, dürfte die Beweisaufnahme nun am Mittwoch geschlossen werden. Zeugen sind für den 32. Verhandlungstag nicht mehr geladen; Nach den bisherigen Planungen könnte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag kommender Woche ihr Plädoyer halten. Bis zum Urteil dürften allerdings noch mehrere Wochen ins Land ziehen: Es gilt als wahrscheinlich, dass die zwölf Verteidiger der sechs Angeklagten mindestens drei, vielleicht auch vier Verhandlungstage für ihre Schlussvorträge benötigen. Mit einem Richterspruch Ende Juli wäre der Mannesmann-Prozess im übrigen fast noch im Zeitplan: Ursprünglich hatte Koppenhöfer Verhandlungstermine bis Ende Juni anberaumt.
15. Juni 2004 - 13.11 Uhr
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