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Mammutprozess zu Concorde-Absturz vor zehn Jahren eröffnet - 1/1
AFP vom 02.02.2010   |   643 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - International

Mammutprozess zu Concorde-Absturz vor zehn Jahren eröffnet

Bei Katastrophe im Sommer 2000 starben 97 Deutsche

Knapp zehn Jahre nach dem Absturz einer Concorde mit 97 Deutschen an Bord müssen sich die mutmaßlich Verantwortlichen der Katastrophe vor Gericht verantworten. Fünf Menschen und die US-Fluggesellschaft Continental Airlines stehen seit Dienstag wegen fahrlässiger Tötung nördlich von Paris in Pontoise vor Gericht. Für die deutschen Hinterbliebenen hat das Verfahren finanziell keine Bedeutung mehr.

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Die Tatsache, dass technische Fragen bei dem Prozess in den kommenden vier Monaten im Vordergrund stünden, dürfe "die menschliche Dimension" des Verfahrens nicht vergessen machen, sagte die Vorsitzende Richterin, Dominique Andréassier. Einhundert Fluggäste, fast alles deutsche Urlauber auf dem Weg zu einer Karibik-Kreuzfahrt, neun Besatzungsmitglieder und vier Menschen am Boden starben, als die Maschine der französischen Luftfahrtgesellschaft Air France am 25. Juli 2000 brennend in ein Hotel stürzte. Die Hinterbliebenen der Deutschen treten im Verfahren aber nicht auf, nachdem sie im Gegenzug für das Schmerzensgeld im Jahr nach der Katastrophe auf weitere Forderungen verzichteten.

Zum Auftakt des Mammutverfahrens nördlich der französischen Hauptstadt reisten rund 250 Journalisten, Fotografen und Techniker sowie etwa sechzig Zeugen und Gutachter an. In 53 Verhandlungstagen soll geklärt werden, wer die Schuld an der Katastrophe trägt. Continental Airlines habe zu dem Unfall "beigetragen", sagte die Richterin. Ein Flugzeug der US-Airline verlor seinerzeit beim Start ein linealgroßes Metallteil, über das die startende Concorde kurz darauf rollte. Den Ermittlern zufolge platzte dadurch ein Reifen des Überschallflugzeuges, der in einen Tank einschlug; durch den auslaufenden Treibstoff sei das Triebwerk in Brand geraten und die Maschine schließlich abgestürzt.




Air France, die in dem Prozess als Nebenkläger auftritt, trage keinerlei Verantwortung für den Unfall, betonte ihr Rechtsanwalt Fernand Garnault unmittelbar vor Verfahrensbeginn in Pontoise. Ihr Überschallflugzeug habe "keinerlei technische Schwäche" gehabt, als es seinerzeit unmittelbar nach dem Start in Richtung New York auf das Hotel stürzte.

Allerdings habe es schon vor der Katastrophe zahlreiche ähnliche Vorfälle mit der Concorde gegeben, erinnnert die Richterin. Die verantwortlichen Ingenieure und die französische Luftfahrtaufsicht DGAC sind angeklagt, weil sie den früheren Vorfällen nicht genügend Rechnung getragen haben sollen, um erneute Zwischenfälle zu vermeiden.

Der Verteidiger von Continental Airlines, der Pariser Prominentenanwalt Olivier Metzner, verweist ebenfalls auf frühere Vorfälle mit der in den 50er Jahren entwickelten Concorde. "Man hat die Concorde und das Bild schützen wollen, das sie von Frankreich vermittelt hat", sagt der Anwalt. Gut zwei Dutzend Augenzeugen hätten ausgesagt, dass das Flugzeug schon gebrannt habe, bevor es über das Metallteil gefahren sei. "Unter ihnen waren Feuerwehrleute und Piloten", sagte Metzner. "Man hat ihnen kein Gehör geschenkt."

Als Nebenkläger treten in dem Prozess auch Angehörige französischer Opfer auf, unter anderem des Piloten, die bisher keine Abfindung erhielten. Es müsse "die Wahrheit" über den Unfall herausgekommen, damit sie ein neues Kapitel aufschlagen und ihre Trauer überwinden könnten, sagte Rechtsanwältin Hania Gouttière, die die Eltern der beiden polnischen Praktikanten vertritt, die in dem Hotel ums Leben kamen.

2. Februar 2010 - 17.16 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010



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