Lebenslange Haft in Münchner NS-Kriegsverbrecherprozess
AFP VOM 11.8.2009 | Nachrichten - Vor Gericht | 1176 Aufrufe Mehr zum Thema:NS-Kriegsverbrecher
Opfer-Angehörige mit Urteil gegen Josef Sch. zufrieden
In einem der letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse in Deutschland ist ein früherer Wehrmachtsoffizier vom Landgericht München I zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht befand den 90 Jahre alten Josef Sch. für schuldig, 1944 in der Toskana die Ermordung von zehn italienischen Zivilisten angeordnet zu haben. Der Rentner bleibt aber frei, bis über seine Revision gegen das Urteil entschieden ist.
Dem Urteil zufolge hatte Sch. im Juni 1944 nach der Tötung von zwei deutschen Soldaten durch italienische Partisanen als Kommandant seiner Kompanie angeordnet, eine Vergeltungsaktion zu verüben. Dazu seien in dem Dorf Falzano di Cortona elf Jungen und Männer im Alter von 15 bis 67 Jahren, die mit den Partisanen nichts zu tun hatten, in ein vermintes Bauernhaus getrieben worden. Bei der anschließenden Sprengung starben zehn der Zivilisten, nur ein15-Jähriger überlebte schwer verletzt.
Das Gericht verurteilte den aus Ottobrunn bei München stammenden früheren Schreiner deshalb wegen zehnfachen Mordes und eines Mordversuches. Vier weitere Mordvorwürfe ließ das Landgericht fallen: Es sei nicht beweisbar gewesen, dass Sch. wie von der Staatsanwaltschaft behauptet außerdem vier Menschen aus Vergeltung habe erschießen lassen. Mit der lebenslänglichen Haftstrafe folgten die Richter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die drei Verteidiger von Sch. hatten auf Freispruch plädiert.
Sein Rechtsanwalt Klaus Goebel kündigte umgehend Revision an. "Das ist ein skandalöses Urteil", sagte er. Dass Sch. bis zur Entscheidung über die Revision auf freiem Fuß bleibt, begründete eine Gerichtssprecherin damit, dass wegen seines Alters keine Fluchtgefahr bestehe.
Zwei als Nebenkläger auftretende Hinterbliebene der Opfer zeigten sich zufrieden. "Ich denke, das war ein sehr richtiges Urteil und ein wichtiges Urteil für unsere Familien", sagte die 66 Jahre alte Margaretha Lescai in München. Der Direktor des Jerusalemer Büros des Simon Wiesenthal Centers, Efraim Zuroff, begrüßte die "neuen Anstrengungen der deutschen Justiz, NS-Täter zur Rechenschaft zu ziehen".
In dem elf Monate dauernden Prozess bestritt Sch. durchweg, von der Racheaktion gewusst zu haben. Das Gericht kam dagegen zu der Überzeugung, dass nur er den Befehl zu der Vergeltungsaktion habe geben können, da er der einzige Kommandant der Kompanie gewesen sei.
11. August 2009 - 13.49 Uhr
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