Loveparade-Unglück: Ermittlungen gegen 16 Beschuldigte
AFP VOM 18.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 523 Aufrufe Mehr zum Thema:Loveparade
Duisburgs OB und Veranstalter gehören nicht dazu
Knapp ein halbes Jahr nach dem Unglück bei der Duisburger Loveparade mit 21 Toten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 16 Menschen wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Es handele sich um Mitarbeiter von Stadtverwaltung, Veranstalter Lopavent und Polizei, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde. Lopavent-Chef Rainer Schaller und Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) seien nicht unter den Beschuldigten.
Die Namen der Beschuldigten nannte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg nicht. Zugleich schloss er nicht aus, "dass weitere Personen in den Kreis der Beschuldigten einzubeziehen sein werden". Noch seien die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Das derzeitige "Zwischenergebnis" beruhe unter anderem auf der Vernehmung von mehr als 2200 Zeugen - darunter Loveparade-Besucher, Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte sowie Mitarbeiter von Lopavent, Sicherheitsdiensten und Stadtverwaltung. Zudem hätten die knapp 90 beteiligten Ermittler eine Vielzahl von Fotos, hunderte Stunden Videoaufzeichnungen und mehrere Terabyte elektronischer Daten gesichtet.
Diesen intensiven polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sei es zu verdanken, "dass die nun vorliegenden Erkenntnisse innerhalb eines überschaubaren, sowohl den Opfern und deren Angehörigen als auch den nunmehr Beschuldigten gerecht werdenden Zeitraums gewonnen werden konnten", erklärte der Sprecher. Er betonte, der nun festgestellte Anfangsverdacht bedeute nicht zwingend, dass sich die Beschuldigten auch vor Gericht werden verantworten müssen.
Die Stadtverwaltung bezeichnete die ersten Ermittlungsverfahren gegen konkrete Personen als einen normalen und auch erwarteten Schritt. Die Stadt Duisburg werde die Ermittlungen auch weiterhin unterstützen, erklärte Oberbürgermeister Sauerland, der wegen der städtischen Genehmigung der Loveparade sowie des anschließenden Umgangs mit der Katastrophe selbst in die Kritik geraten war.
Sauerland unterstrich, er stehe "voll und ganz" hinter seinen Mitarbeitern. "Ich bin überzeugt, dass wir alle nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und keine Amtspflichten verletzt haben." Zugleich brachte Sauerland sein Bedauern zum Ausdruck, "dass ich in der Vergangenheit den Gefühlen der Geschädigten in vielerlei Hinsicht nicht gerecht geworden bin".
Während der Loveparade am 24. Juli vergangenen Jahres war an einem überfüllten Zugangstunnel eine Massenpanik ausgebrochen. 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Anschließend schoben sich Stadt, der Veranstalter Lopavent sowie die Polizei gegenseitig die Verantwortung für die Tragödie zu.
18.01.2011 - 18:01 Uhr


