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Leutheusser spricht mit niederländischem Kollegen über Ex-SS-Mann - 1/1
AFP vom 09.09.2010   |   512 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - Allgemein

Leutheusser spricht mit niederländischem Kollegen über Ex-SS-Mann

Den Haag will aber keine Auslieferung von 88-Jährigem

In den Fall des seit Jahrzehnten unbehelligt in Bayern lebenden mutmaßlichen NS-Kriegsverbrechers Klaas Carel F. kommt nun womöglich doch Bewegung. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag, sie habe mit ihrem niederländischen Kollegen Ernst Hirsch Ballin über den Fall des 88-Jährigen gesprochen und sei dabei auf offene Ohren gestoßen. F. war 1952 aus einem niederländischen Gefängnis ausgebrochen.

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F. gehörte im Zweiten Weltkrieg dem SS-Sonderkommando "Silbertanne" an. Die niederländische Justiz verurteilte ihn wegen der Ermordung von 22 Juden zum Tode, das Urteil wurde aber in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Nach seinem Gefängnisausbruch floh F. nach Deutschland.

Leutheusser-Schnarrenberger sagte, sie freue sich, "dass mein niederländischer Amtskollege große Bereitschaft gezeigt hat" mit einem neuen Ersuchen das Urteil gegen F. "in Deutschland zur Vollstreckung zu bringen". Es sollte nichts unversucht bleiben, um "verurteilte Kriegsverbrecher" wie F. zur Verantwortung zu ziehen.




Wie ein Sprecher des niederländischen Justizministeriums der Nachrichtenagentur AFP sagte, werden die Niederlande allerdings nicht die Auslieferung von F. beantragen. Deutschland liefere seine Bürger nicht aus, und F. sei Deutscher, sagte der Sprecher zur Begründung. Leutheusser-Schnarrenberger habe in dem Telefonat zugesagt, dass die Akten zu dem Fall erneut untersucht werden sollten um zu prüfen, ob es irgendeine Möglichkeit zur Verfolgung von F. in Deutschland gibt. Beide Minister hätten verabredet, kommende Woche erneut über den Fall zu sprechen.

Seit Jahrzehnten lebt der gebürtige Niederländer unbehelligt von der Justiz im bayerischen Ingolstadt. Die Niederlande bemühten sich in der Vergangenheit mehrfach um seine Auslieferung. Da F. als Mitglied der SS die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, lehnte Deutschland dies allerdings immer wieder ab.

9. September 2010 - 15.47 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010



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