
Wenn es um den Tierschutz geht, nimmt Frankreichs Filmlegende Brigitte Bardot kein Blatt vor den Mund. Vor zweieinhalb Jahren bezichtigte sie den heutigen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy der "Feigheit". Den damaligen Innenminister hatte Bardot zuvor monatelang erfolglos mit Briefen bombardiert, um Muslimen die Tötung von Schafen beim islamischen Opferfest ohne Betäubung zu verbieten. Eines der Schreiben hat ihr wegen Volksverhetzung eine Anklage eingebracht - nicht wegen Sarkozy, sondern weil sie über Frankreichs Muslime an sich hergezogen sein soll. Am Dienstag fällt das Urteil.
Zwischen Leinwand-Ruhm und Anklagebank liegt für die heute 73 Jahre alte Bardot fast ein ganzes Leben. Es war ihr erster Mann, Roger Vadim, der dem Mythos "BB" beharrlich den Weg bereitete. 1956 gelang der Pariser Bürgerstochter unter seiner Regie mit "Und ewig lockt das Weib" der Durchbruch. Mit Schmollmund und rasanten Kurven wurde "die Bardot" zum Traum einer ganzen Männergeneration. 48 Filme machte sie insgesamt. Viele sind längst vergessen, einige dagegen Klassiker der Filmgeschichte, darunter "Die Verachtung" (1963) von Jean-Luc Godard.
Drei Ehen fallen in Bardots Filmzeit: Auf Vadim folgt der französische Schauspieler Jacques Charrier und dann Jet-Set-Playboy Gunter Sachs. Doch was von außen nach Glanz und Glamour aussieht, ist zuweilen ein Leben am Abgrund. Anfang der 60er Jahre unternimmt Bardot neun Monate nach der Geburt ihres einzigen Sohnes einen Selbstmordversuch.
Anfang der 70er kommt der Bruch. Bardot lässt das Filmen und verschreibt sich ganz dem Tierschutz. Mit ihrer Stiftung kämpft sie bis heute unermüdlich gegen die Tötung von Robben, rettet gequälte Hunde oder macht gegen Stierkämpfe mobil. Bardot nutzt ihre Bekanntheit, um für Wirbel zu sorgen und sich Zugang zu verschaffen. "Vergessen Sie niemals, dass sie mit einem Pelz einen Friedhof auf ihrem Rücken tragen", hält sie einmal Schauspielerkollegin Sophia Loren vor. Der Kampf für die Tiere erfüllt Bardot: "Das ist ein anderes Leben", sagt sie. "Als wäre ich als andere Frau wiedergeboren worden."
1992 heiratet sie ihren vierten Mann, Bernard d'Ormale. Der ist ein enger Freund und Berater des französischen Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen - für manche eine Erklärung für ihre fremdenfeindlichen und rassistischen Ausfälle der vergangenen Jahre. In ihrem 2003 erschienenen Buch "Ein Ruf aus der Stille" wettert die Diva gegen eine Islamisierung Frankreichs und zieht auch über Schwule und Obdachlose her.
In dem Brandbrief gegen die Schächtung, um den es jetzt vor Gericht geht, schrieb sie über Muslime: "Ich habe es satt, von einer Bevölkerung an der Nase herumgeführt zu werden, die uns zerstört, die unser Land zerstört, indem sie uns ihre Handlungsweisen auferlegt." Schon vier Mal wurde Bardot seit 1997 wegen ähnlicher Äußerungen verurteilt. Bisher kam sie mit Geldstrafen davon. Jetzt drohen ihr zwei Monate Haft auf Bewährung und 15.000 Euro Buße.
Zur Verhandlung ihres Falles Mitte April erschien sie nicht. Sie sei "müde und erschöpft", aber auch "angewidert" darüber, dass sie von den Anti-Rassismusorganisationen verklagt worden sei, ließ Bardot erklären. Doch für die Staatsanwaltschaft scheint das Maß jetzt voll zu sein. "Ich bin auch müde und erschöpft", sagte Anklägerin Anne de Fontette. Schließlich kämen Bardots Äußerungen der Forderung gleich, "Araber aus Frankreich rauszuwerfen". Es sei "an der Zeit, etwas deutlichere Strafen auszusprechen".
31. Mai 2008 - 06.31 Uhr
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