Landgericht Nürnberg verhandelt über schnellen Abgang Utz Claassens
AFP VOM 29.7.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 1681 Aufrufe Mehr zum Thema:EnBW, Claassen
Manager hatte Firma Solar Millenium schon nach 74 Tagen verlassen
Das Landgericht Nürnberg verhandelt am Freitag eine neue Millionen-Klage des umstrittenen Managers Utz Claassen. Der frühere Chef von EnBW, der sich bereits mit dem Energiekonzern um Millionen gestritten hatte, will vom Gericht die Rechtmäßigkeit seines Abgangs bei der Firma Solar Millenium nach nur 74 Tagen feststellen lassen. Claassen und die Firma konnten sich bislang offenbar nicht über eine Rückzahlung seines Gehalts einigen.
Claassen hatte seinen Job als neuer Chef bei Solar Millenium am 1. Januar dieses Jahres angetreten und schon Mitte März wieder niedergelegt. Über die Gründe wollte er im Detail nicht sprechen, nach eigenen Angaben hat er sie aber in einem 27-seitigen Bericht für das Unternehmen niedergeschrieben. Claassen sagte aber, er habe seinen Prinzipien treu bleiben wollen.
Doch nach Claassen ging nun auch Solar Millenium in die Offensive: Die Firma werde ihren Ex-Chef auf 9,18 Millionen Euro verklagen, kündigte der stellvertretende Aufsichtsratchef von Solar Millenium, Hannes Kuhn, diese Woche im "Handelsblatt" an. Dies sei die Summe, die die Solarfirma für den Amtsantritt Claassens habe aufbringen müssen.
Solar Millenium wirft Claassen zudem mangelnde Arbeit in seiner Zeit bei der Firma vor. Kein einziges Neugeschäft habe Claassen abgeschlossen, dafür aber fragwürdige Beraterverträge, kritisierte Kuhn. Auch sei der Manager nur ganze 15 Tage im Büro gewesen. Claassen erklärte dem "Handelsblatt" über seinen Anwalt mit, seine Präsenz sei überdurchschnittlich und seine Arbeitseinteilung angemessen gewesen. Von den Beraterverträgen habe der Aufsichtsrat Kenntnis gehabt.
Gestritten hatte sich Claassen auch schon mit seinem Ex-Arbeitgeber EnBW. Der Manager hatte mit dem Konzern eine Pensionsregelung vereinbart, die Medienberichten zufolge ein jährliches "Übergangsgeld" von 400.000 Euro bis zu seinem 63. Lebensjahr vorsah. Insgesamt wären das also rund sieben Millionen Euro gewesen. Der Konzern stellte die Zahlung aber ein, nachdem ein Beratervertrag Claassens mit einem Finanzinvestor bekannt geworden war. In einem Vergleich einigte sich Claassen mit EnBW schließlich auf eine Einmalzahlung in Höhe von 2,5 Millionen Euro.
Auf Kritik stieß Claassen 2007 auch mit einem Buch, in dem er die Deutschen aufforderte, den Gürtel enger zu schnallen. Zudem übte er harte Kritik an deutschen Managern. Diese sollten "gegebenenfalls weniger Golf spielen oder seltener Rotwein trinken". Zudem seien zu vielen Führungskräften Geld und Status wichtiger als ihre Aufgaben.
29. Juli 2010 - 15.56 Uhr
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