Kubanischer Sacharow-Preisträger Fariñas wieder freigelassen
AFP VOM 28.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 1273 Aufrufe Mehr zum Thema:Menschenrechtler fürchten weitere Verschlechterung der Lage
Nach seiner zweiten Festnahme innerhalb von 24 Stunden ist der kubanische Dissident und Sacharow-Preisträger, Guillermo Fariñas, wieder frei. Nach Angaben seiner Mutter wurde der am Donnerstag (Ortszeit) zusammen mit anderen Regierungsgegnern festgenommene Dissident am Freitag erneut freigelassen. Eine Menschenrechtsorganisation sagte eine weitere Verschlechterung der Lage in dem kommunistischen Land voraus.
Wie Fariñas' 75-jährige Mutter Alicia Hernández der Nachrichtenagentur AFP sagte, kehrte ihr Sohn in ihr gemeinsames Haus im zentralkubanischen Santa Clara zurück. Er sei müde, aber es gehe ihm gut. Zuvor hatte sie berichtet, die Festnahme am Donnerstag habe sich ereignet, als sich ihr Sohn mit mehreren Oppositionellen bei der Polizei nach der Festnahme anderer Regierungsgegner erkundigen wollte. Der Präsident der illegalen, aber geduldeten Kubanischen Kommission für Menschenrechte und nationale Versöhnung (CCDHRN), Elizardo Sánchez, sagte, es befänden sich mehr als zehn Oppositionelle in Polizeigewalt.
Nach Einschätzung der CCDHRN praktiziert die Regierung derzeit eine Politik der "Repression auf niedrigem Niveau" mit zahlreichen vorübergehenden Festnahmen. Bereits am Mittwoch hatte die Polizei Fariñas und andere Regierungsgegner sieben Stunden lang in Gewahrsam genommen. Sie hatten zuvor eine Familie unterstützt, die ausquartiert werden sollte, weil sie nach Behördenangaben illegal Wohnraum besetzt hatte.
Der am Donnerstag vorgelegte CCDHRN-Jahresbericht bezeichnet die Menschenrechtslage in Kuba als "sehr ungünstig" und warnte vor einer kurz- und mittelfristigen Verschlechterung. Zwar seien im vergangenen Jahr dutzende politische Gefangene freigekommen, doch seien noch immer mehr als hundert in Haft. Der von der Regierung angekündigte Abbau von mehr als einer halben Million Stellen im öffentlichen Dienst und die Streichung verschiedener Subventionen bis Ende März könnte zu "vermehrten Formen der Unzufriedenheit" bei den Bürgern führen. Darauf werde die Führung mit Unterdrückung reagieren.
Der 49-jährige Psychologe und Internet-Blogger Fariñas hatte wiederholt mit langen Hungerstreiks seine Gesundheit und sogar sein Leben aufs Spiel gesetzt, um politische Veränderungen in Kuba zu bewirken. Zuletzt trat er vor knapp einem Jahr in einen Hungerstreik, den er erst nach 135 Tagen beendete, als die Regierung von Raúl Castro die Entlassung von Regierungsgegnern aus dem Gefängnis anordnete. Im Dezember erhielt er für seinen Einsatz zugunsten von Menschenrechten und Meinungsfreiheit den nach dem sowjetischen Dissidenten Andrej Sacharow benannten Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments.
28.01.2011 - 18:01 Uhr


