Kritik an Mossad nach Berichten über Hamas-Mordkomplott
AFP VOM 17.2.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 976 Aufrufe Mehr zum Thema:Hamas, Mord
Rücktritt von Geheimdienstchef gefordert
Nach Berichten, der israelische Geheimdienst stehe hinter der Ermordung des Hamas-Anführers Mahmud Abdel Rauf el Mabhuh, wächst in Israel die Kritik am Vorgehen des Mossad. Der Militärrundfunk zitierte einen früheren Mossad-Verantwortlichen mit der Einschätzung, es könne sich als "schwerer Fehler" erweisen, wenn der Mossad Pässe von israelischen Bürgern verwendet habe.
Mehrere Betroffene äußerten sich entrüstet. "Das ist mein Pass, aber ich habe Israel nicht verlassen", sagte der Israeli Paul Kelly, der auch die britische Staatsangehörigkeit hat. Kelly kündigte an, die britischen Konsularbehörden einzuschalten. Der ebenfalls betroffene Stephen Daniel Hodes sagte dem Rundfunk, er fürchte um sein Leben, wenn er künftig ins Ausland reise. Daher werde er einen Anwalt einschalten, um Klage gegen die Verantwortlichen zu erheben.
Die Zeitung "Haaretz" forderte den Rücktritt von Mossad-Chef Meir Dagan und kritisierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, weil er dessen Amtszeit trotz "Warnhinweisen" verlängert habe. "Eine gelungene Operation? - Das ist nicht sicher!", titelte die Tageszeitung "Jediot Ahronot".
Israelische Zeitungen veröffentlichten die von der Polizei in Dubai herausgegebenen Fotos der elf Verdächtigen, die sich an dem Komplott beteiligt haben sollen. Darunter befindet sich auch ein schnauzbärtiger Brillenträger mittleren Alters, der nach den Angaben aus Dubai einen deutschen Pass mit dem Namen Michael Bodenheimer bei sich trug. Die deutschen Behörden äußerten sich nur spärlich zu dem Fall. Das Auswärtige Amt erklärte, dort lägen "keine eigenen" Erkenntnisse vor, das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden bestätigte lediglich, dass es einen "Informationsaustausch" mit der Polizei in Dubai gebe.
Mabhuh wurde nach Behördenangaben am 20. Januar bei einem Anschlag im Hotel Bustan Rotana in Dubai umgebracht. Er wird von Israel für die Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten zu Beginn des ersten Palästinenseraufstandes Intifada (1987-1993) verantwortlich gemacht.
Israelische Geheimdienstkommandos haben in der Vergangenheit wiederholt mit gefälschten ausländischen Pässen im Ausland operiert. 1997 versuchten Geheimdienst-Agenten den Exilchef der Hamas, Chaled Meschaal, in Jordanien umzubringen. Dabei bedienten sie sich kanadischer Pässe. 2005 entschuldigte sich die israelische Regierung bei Neuseeland, nachdem dort zwei Mossad-Agenten zu sechs Monaten Haft verurteilt worden waren, die sich illegal neuseeländische Pässe zu verschaffen versucht hatten.
17. Februar 2010 - 12.46 Uhr
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