Kolumbianische Ex-Paramilitärs wegen Massakers verurteilt
AFP VOM 30.1.2012 | Nachrichten - Allgemein | 451 Aufrufe Mehr zum Thema:Massaker, Ex-Paramilitärs, Kolumbien
20 Jahre Haft in Prozess um Angriff auf Friedensdorf
Wegen eines Massakers in einem kolumbianischen Dorf sind sechs frühere Angehörige einer ultrarechten paramilitärischen Miliz zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Die Angeklagten müssten für jeweils 20 Jahre ins Gefängnis, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Die sechs Männer hatten ihre Beteiligung an dem Massaker, bei dem im Dorf San José de Apartadó im Jahr 2005 acht Menschen getötet worden waren, zuvor eingeräumt. Unter den Opfern waren drei Kinder, das jüngste von ihnen zwei Jahre alt. Wegen des Angriffs waren bereits zehn Soldaten zu Haftstrafen verurteilt worden.
Die nun Verurteilten gehörten den Vereinten Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens (AUC) an, einer paramilitärischen Gruppe, die im Auftrag von Großgrundbesitzern - und häufig zusammen mit Soldaten der kolumbianischen Armee - gegen die linksgerichtete Guerilla im Land kämpfte. Die AUC lösten sich zwischen 2003 und 2006 auf, nachdem ihren Mitgliedern ein teilweiser Straferlass gewährt worden war. Die Ex-Paramilitärs haben die Tötung von etwa 50.000 Menschen während des blutigen Bürgerkriegs eingeräumt.
San José de Apartadó hatte sich im Jahr 1997 zum Friedensdorf erklärt, um seinen Bewohnern eine Überlebenschance in dem von Gewalttaten erschütterten Land zu eröffnen. Zu seinen Prinzipien gehört der Verzicht auf jegliche Kooperation mit bewaffneten Konfliktparteien. Seit 1997 wurden aber mindestens 210 Dorfbewohner getötet - von Rebellen, Paramilitärs oder Soldaten. Im Jahr 2007 erhielt das Dorf den Aachener Friedenspreis, im vergangenen Jahr war es für den Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments nominiert.
30.01.2012 - 21:30 Uhr
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