Kleine Parksünden bestraft die Nachbarschaft

Mehr zum Thema:

Meinung Rubrik, Parken, Sachbeschädigung, Antenne, Scheibenwischer

3,7 von 5 Sterne
Bewerten mit: 5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern
10

Parkplätze sind so rar wie Schlüpfer bei Sarah Conner

An meinem Auto fehlt die Radioantenne. Das Schmuckstück und annähernd wichtigste Utensil meines Wagens wurde mir genommen.- Ein Passant hatte die Antenne hinterhältig bei Nacht und Nebel abgebrochen. Vor einiger Zeit zierte das blanke schlanke Metall noch meine Kühlerhaube, reckte sich wagemutig empor in den zu oft wolkenverhangenen und Nässe spendenden hannoveranischen Himmel, um diese lustigen Radiosender zu empfangen und in meine Fahrgastzelle zu leiten, damit ich während der Autofahrt im Morgen- und Abendverkehr etwas Entspannung genießen kann. Jetzt, ohne Antenne, empfange ich nur noch einen Lokalsender namens ffn, der mir mit seiner Rotation von vier immer wiederholten Liedern langsam aber sicher auf den Senkel geht.

Eines morgens kam ich also zu meinem Wagen und entdeckte das Dilemma: Die abgeknickte und herausgerupfte Antenne lag auf dem Boden neben dem linken Vorderreifen und bewegte sich nicht. Mit Tränen in den Augen und der Dudelmusik des mir letzten verbleibenden Radiosenders fuhr ich zur Arbeit, nachdem ich meiner getreuen Antenne die Ehre erwiesen und sie zusammengeschoben im nächstgelegenen Mülleimer auf ihre letzte Reise geschickt hatte.

Wer tut sowas? Wer bricht Autoantennen ab? Mein Auto hatte, zugegebener Weise zum wiederholten Male, in verkehrswidriger Manier ein Eckhaus meines Viertels gesäumt: Ich parkte falsch und ziemlich illegal. Das passiert mir einigermaßen häufig, denn ich komme spät nach Hause, und in meinem Viertel sind Parkplätze so rar wie Schlüpfer bei Sarah Conner.

Als man mich der Autoantenne beraubte, stand mein Wagen also direkt in der Kurve meiner Straße. Ich bemühe mich dabei tatsächlich immer redlich, so viel Platz zu lassen, dass auch ja alle Mütter mit Kinderwagen und gebrechliche Hausmeister noch an meinem Wagen vorbei kommen. Ist doch wohl Ehrensache. Einem Passanten hat das anscheinend nicht gereicht, was er mir mit der abgebrochenen Antenne mitzuteilen gedachte: Du stehst hier falsch, dafür mach ich Dir jetzt Deine Antenne kaputt! Das soll Dir eine Lehre für die Zukunft sein! Doh!

Langsam aber sicher platzt mir ob dieser bescheuerten Nachbarschaftspatrouille der schwedische Kragen. Da begeht man eine klitzekleine Ordnungswidrigkeit in einer sporadisch befahrenen 30-Zone, und irgendein Bürger von nebenan nimmt das zum Anlass, eine Sachbeschädigung zu begehen. Eine Straftat! Da stimmt doch irgendwas nicht mit der Verhältnismäßigkeit. Ordnungswidrigkeit gegen Straftat? Für falsches Parken bekommt man eine Geldbuße, für Sachbeschädigung gibt es bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.

Da parkt man falsch und kann nur noch ffn hören. Das Abbrechen der Antenne ist nicht nur eine Straftat, sondern auch noch höchst grausam. Gab es vorher nur den erhobenen Zeigefinger, indem mir so ein selbsternannter Hilfssheriff die Scheibenwischer umdrehte, so begibt sich dieser jetzt in die Wirren des Strafgesetzbuches. Und dies ist kein Einzelfall. Neulich war ein Scheibenwischer nicht nur umgedreht, sondern verbogen. Was auch wieder die Beschädigung einer Sache und somit ein Verstoß gegen das StGB ist. Die Welt ist schlecht, grausam und gemein.

Wenigstens habe ich jetzt jemanden in flagranti erwischt. Nicht den Sachbeschädiger, aber eine ganz andere fiese Möp: den gemeinen Für-Drei-Parker. Diese niedere und egoistische Lebensform macht es sich zur Gewohnheit, nicht einen, nicht zwei, nein, mindestens drei Parkplätze zu blockieren. Immer schön genau mittig in eine riesige Parklücke stellen, so dass ja keiner mehr reinpasst. Damit man beim Ausparken bloß nicht am Lenkrad kurbeln oder gar die Servolenkung beanspruchen muss. Man könnte ja "zugeparkt" werden.

Der gemeine Für-Drei-Parker repräsentiert, neben dem Sachbeschädiger, eine der widerwärtigsten Randgruppen unserer Gesellschaft. Ignorant, egoistisch, immer auf den eigenen Vorteil bedacht und in keinster Weise hilfsbereit. Dazu kommt, dass der Für-Drei-Parker selbst, unbedrängt und ohne Rechtfertigungsgrund, gegen das Gesetz verstößt. Denn wer nicht platzsparend parkt, der verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung und begeht, wie ich als Falschparker, eine Ordnungswidrigkeit. So ist das nun mal, so steht es geschrieben. Endlich mal eine vernünftige Norm im deutschen Verkehrsrecht. Und weil der rechtswidrige Für-Drei-Parker mich durch Beschlag der Parkplätze zum rechtswidrigen Parken zwingt, sollte er eigentlich auch meine Knöllchen zahlen. Und mir eine neue Antenne besorgen.

Was das Parken angeht, gehen mir langsam die Ideen aus. Nach 20 Uhr parkt man einfach illegal, da alle Für-Drei-Parker schon seit Stunden die Parkplätze blockieren. Da kann man machen, was man will. Und wenn die Antennen abbrechende Bürgerinitiative mal Pause macht, steht schon die Politesse in den Startlöchern. Selbst die berühmte Bombentrichtertaktik aus dem ersten Weltkrieg hilft da nicht weiter. Die Infanteristen hatten nämlich bevorzugt in gerade entstandenen Bombentrichtern Deckung gesucht, da die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Detonation dort ziemlich gering war. Übertragen auf den Straßenverkehr suchte ich nach einem gerade erhaltenem Knöllchen direkt wieder den selben Platz auf dem Bürgersteig auf, die Wahrscheinlichkeit, dort gleich wieder erwischt zu werden, schätzte ich als eher niedrig ein. Am nächsten Tag hatte ich nicht nur ein erneutes Knöllchen, sondern auch einen Zettel von der Politesse an der Scheibe: "Schönen Gruß und bis Morgen!" Wenigstens ließ sie meine Scheibenwischer heile.

Diskutieren Sie diesen Artikel