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Kinderschutzbund und GdP gegen Jugendstrafen für Kinder - 3/3
AFP vom 14.01.2008   |   4078 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - Gesetzgebung

Experten wehren sich gegen Strafmündigkeit für Kinder

"Wir brauchen kompetente Jugendhilfe"

Jugendgerichts-Experten wehren sich gegen die Forderung von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), das Strafrecht auch auf Kinder unter 14 Jahren anzuwenden. Es mache keinen Sinn, das Alter für die Strafmündigkeit herabzusetzen, erklärten Vertreter von Anwaltsorganisationen und der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen (DVJJ) am Montag in Berlin. "Wir brauchen eine kompetente Jugendhilfe", sagte der DVJJ-Vorsitzende Bernd-Rüdeger Sonnen vor Journalisten. Auch die Justizministerkonferenz habe sich einstimmig dagegen ausgesprochen, das Alter für die Strafmündigkeit herabzusetzen. In jenen Ländern, in denen eine Bestrafung von Kindern möglich ist, gehe die Tendenz eher zu einer Heraufsetzung des Alters.

Auch der Frankfurter Oberstaatsanwalt Klaus Pförtner bezeichnete Kochs Vorschlag als "völligen Quatsch". "Kein Gefängnis kann besser sein als ein Heim", sagte er. Pförtner warf Koch wegen dessen Kritik an der Arbeit der Richter in Hessen vor, er desavouiere die Justiz in Deutschland. Auch der ebenso in der SPD erhobene Vorwurf, die Gesetze müssten nur richtig angewandt werden, sei "Unsinn".

Mit einer in Berlin vorgestellten Resolution wandten sich rund 1000 Juristen gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. Es gebe keinen empirischen Befund, der die Annahme rechtfertige, durch längere Strafen lasse sich die Rückfallwahrscheinlichkeit reduzieren, hieß es in der Erklärung, aus der der "Spiegel" bereits vorab berichtet hatte. Schwere Strafen schreckten nicht ab. "Weder ist die Jugendkriminalität insgesamt, noch ist die Gewaltkriminalität junger Menschen in den letzten Jahren dramatisch gestiegen."

14. Januar 2008 - 12.40 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2008

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