Kinderarzt haftet wegen Erblindung eines Kindes

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Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte sich jüngst mit einer unterlassenen Überweisung einen Kinderarztes an einen Augenarzt zu beschäftigen. Das OLG verurteilte den Arzt auf Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 90.000 Euro, weil er es nach einer U5-Untersuchung unterlassen hatte, einen sieben Monate alten Säugling an einen Augenarzt zu überweisen, obwohl er sich wegen des diagnostizierten Schielens des Kindes dazu hätte gedrängt sehen müssen. Nach Ansicht des Senats hätte eine Überweisung zur Diagnose bösartiger Netzhauttumore geführt und hätte eine vollständige Erblindung des Kindes verhindern können (OLG Karlsruhe, Urt. v. 14.11.2007 - 7 U 251/06).

Der beklagte Kinderarzt hatte bei dem Kind im zweiten Lebensmonat die U4 und im siebten Lebensmonat die U5-Untersuchung vorgenommen Auf Nachfrage der Eltern, die zwischen diesen Untersuchungen ein Schielen ihres Kindes festgestellt hatten, riet ihnen der Kinderarzt zu einem abwartenden Beobachten und veranlasste keinerlei diagnostische Abklärung.
Ein auf Initiative der Eltern zu Rat gezogener Augenarzt diagnostizierte in der Folgezeit einen bösartigen Tumor an der Netzhaut (Retinoblastom) des Kindes und überwies das Kind sofort in stationäre Behandlung in eine Fachklinik für Augenheilkunde, wo schließlich festgestellt wurde, dass das Kind auf dem rechten Auge vollständig und auf dem linken Auge zu 90 Prozent erblindet war. Wegen der Gefahr weiterer Metastasenbildung mussten dem Kind beide Augen entfernt werden.

Marc Melzer
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Der Kinderarzt wurde daraufhin vom Kind auf Schmerzensgeld und von dessen Eltern auf Ersatz ihrer Mehraufwendungen verklagt. Das Landgericht verurteilte der Arzt in erster Instanz auf Zahlung eines Schmerzensgeldes von 260.000 Euro und erkannte dem Kind eine monatliche Schmerzensgeldrente von 260 Euro zu; den Eltern sei ein materiellen Schaden in Höhe von derzeit 3.000 Euro zu ersetzen,und auch für die Folgeschäden stellte das Gericht eine Einstandspflicht des beklagten Arztes fest.

Das OLG Karlsruhe stellte nun fest, dass die Feststellung des Schielens in diesem Alter ein dringender Anlass gewesen sei, das Kind allerspätestens im Verlauf einer Woche in augenärztliche Untersuchung zu überweisen. Den Beweis, dass das Kind sowieso fast vollständig erblindet wäre, habe der Kinderarzt nach Auffassung des Gerichts nicht erbracht.

Wegen der erheblichen Beeinträchtigung entschied der Senat auf einen Kapitalbetrag von 90.000 Euro neben der bestätigten Rente, die das LG ausgeurteilt hatte.

Hintergrund dieses recht großen Kapitalbetrages war der Umstand, dass die ärztliche Gutachterstelle bereits im Jahre 2002 einen Behandlungsfehler festgestetllt hatte, die Haftpflichtversicherung indes keinerlei Bereitschaft zur Regulierung signalisierte, sondern über vier Jahre die Gutachten angegriff. Dies gehe über das hinzunehmende Maß der Verteidigung einer Versicherung hinaus, so das Oberlandesgericht.

Marc O. Melzer
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Guten Tag Herr Melzer,
ich habe Ihren Artikel " Kinderarzt haftet wegen Erblindung eines Kindes" gelesen und würde darüber gerne mit Ihnen sprechen.
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