Kerviel beschuldigt mehrere Kollegen in Spekulationsaffäre Seite 1 - AFP vom 17.03.2008
Kerviel (AFP)
Kerviel beschuldigt mehrere Kollegen in Spekulationsaffäre
Mitarbeiter der Société Générale sollen geholfen haben
In der Spekulationsaffäre bei der französischen Bank Société Générale hat der hauptverdächtige Händler mehrere Kollegen beschuldigt. Der 31-jährige Jérôme Kerviel habe bei seinen Vernehmungen angegeben, Beschäftigte der Bank hätten ihm bei seinen Geschäften geholfen, hieß es in Vernehmungsprotokollen der Staatsanwaltschaft. Der Händler hatte demnach unter anderem seinen Assistenten gebeten, fiktive Geschäfte zu registrieren, was dieser gemacht habe - "wohl wissend, dass es darum ging, offene Positionen oder Gewinne zu verschleiern".
Er habe auch vom Computer seines unmittelbaren Vorgesetzten und in dessen Anwesenheit ungenehmigte Geschäfte im Wert von 500 bis 600 Millionen Euro getätigt. Kerviel soll der Société Générale durch seine ungenehmigten Spekulationen einen Schaden von 4,91 Milliarden Euro verursacht haben. Er gab mehrfach an, allein gehandelt zu haben. Der Händler wirft seinen Vorgesetzten aber vor, dass sie von seinen Milliardengeschäften gewusst haben müssten und ihn nicht belangten, solange er Gewinne machte.
Die nun bekannt gewordenen Vernehmungsprotokolle hatte die Staatsanwaltschaft zu einem Haftprüfungstermin für den Händler vorgelegt. Die Ermittler argumentieren dabei, dass bei einer Freilassung die Gefahr bestehe, dass Druck auf Zeugen ausgeübt werde oder Absprachen mit möglichen Komplizen getroffen würden. Das damit befasste Gericht will am Dienstag entscheiden, ob Kerviel vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt wird. Laut Unterlagen der Staatsanwaltschaft wiesen mehrere von Kerviel Beschuldigte die Vorwürfe zurück.