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Keine Reue und viel Selbstmitleid

AFP VOM 7.1.2005 | Nachrichten - International | 7925 Aufrufe
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Kunstdiebstählen, Kunst, Diebstahl, Kunstdiebstahl

- Kunstbesessener Dieb entpuppt sich als gewalttätiger Narzist

Er schildert sich selbst als Ästhet und Liebhaber schöner Künste, dem seine Passion für Alte Meister und andere Kunstschätze zum Verhängnis wurde. Doch der Straßburger Prozess gegen den Elsässer Stéphane Breitwieser, der bei Raubzügen durch Kirchen, Schlösser und Museen jahrelang in sieben europäischen Ländern Kunstwerke von unschätzbarem Wert zusammenklaute, bringt ganz andere Facetten seiner Persönlichkeit ans Licht. Gutachter beschreiben den schmächtigen 33-Jährigen als verwöhntes und eitles Einzelkind mit fast krankhafter Eigenliebe, das alles haben musste, was ihm gefiel.

Seine 53-Jährige Mutter, die wegen der Zerstörung zahlreicher Kunstschätze mit auf der Anklagebank sitzt und die der Hehlerei beschuldigte Ex-Freundin Anne-Catherine berichten vom gewalttätigen Charakter des Museumsräubers. Breitweiser habe sie immer wieder geschlagen, sie habe Angst vor ihm gehabt, sagt die 33 Jahre alte Krankenschwester Anne-Catherine - die dennoch zehn Jahre lang bei dem Gleichaltrigen blieb und nun für ihre Mitwisserschaft büßen muss. Auch gegen seine Mutter sei er tätlich geworden. Diese widerspricht nicht. Sie habe die Sammlung zerstört, um ihren Sohn für "alles zu bestrafen, was er mir angetan hat", sagt sie unter Tränen.

Breitwieser hört den Schilderungen meist zusammengesunken zu, ab und zu erhebt er sich und protestiert. Die Gutachter hätten nichts von ihm verstanden - einer habe nur eine Viertelstunde mit ihm gesprochen, ein anderer eine halbe Stunde. Mit derselben Selbstgefälligkeit macht er sich über Kunstexperten lustig, die ihm nach seiner Ansicht offenkundig nicht das Wasser reichen können. Reue über seine Raubzüge, die letzlich zur Vernichtung vieler unermesslich wertvoller Kunstwerke führte, lässt er dagegen nicht erkennen.

Dafür jede Menge Selbstmitleid: Er habe alles verloren, seine geliebte Sammlung, seine Freundin und auch seine Mutter, der er nicht mehr in die Augen sehen könne, schluchzt Breitwieser. Tränenreich schildert er die "katastrophalen Zustände" in französischen Gefängnissen, wo er nun noch einige Zeit ausharren muss. In der Schweiz habe er dagegen im Gefängnis mit "Bankdirektoren und Firmenchefs" verkehrt und sich weit gehend frei bewegen können.

Ganz anders im Elsass, wo er seit seiner Auslieferung im Sommer in Mülhausen einsitzt. Dort sei er mit gewöhnlichen Kleinkriminellen zusammen, mit Dealern und Gaunern, außerden sei alles schmutzig, berichtet der schmächtige Angeklagte mit dem kindlichen Gesichtszügen. Nicht mal eine Einzelzelle habe er bekommen. Als Richterin Anne Pauly zu bedenken gibt, dass Häftlinge wie er, der wiederholt mit Selbstmord gedroht und offenbar in der Nacht zum Freitag einen weiteren Versuch dazu unternommen hatte, grundsätzlich nicht allein in einer Zelle gelassen werden, bricht er wieder in Tränen aus.

7. Januar 2005 - 15.00 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2005


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