Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben einen ausdrücklichen Gottesbezug in der künftigen europäischen Verfassung gefordert. "Damit wäre eine Grenze und zugleich eine Quelle politischen Handelns benannt, die die Geschichte Europas bis heute bestimmt", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Bischöfe am Freitag in Fulda. Zu angeblichen Bestrebungen des Vatikans, die Rolle der Laien zu beschränken, sagte Lehmann, der Inhalt sei noch nicht offiziell und keinesfalls verbindlich. Sollten sich diese Berichte aber bestätigen, "dann vertraut darauf, dass wir kämpfen".
Nach einem Bericht des italienischen Magazins "Jesus" plant der Vatikan 37 konkrete Verbote, mit denen die Rolle der Laien in der katholischen Kirche beschränkt werden soll. Unter anderem sollen danach Mädchen vom Amt des Ministranten ausgeschlossen werden. Lehmann nannte eine solche Diskussion "absurd" und "Schnee von gestern". In Deutschland werde darauf "keine Mensch grundsätzlich zurückkommen". Lehmann sagte, man müsse zunächst sehen, was tatsächlich geplant sei. Gegebenenfalls werde er aber "alles daransetzen, auch beim Heiligen Vater selbst, dass dieser Text noch mal überarbeitet wird".
Als Schwerpunkt beschäftigten sich die 68 Bischöfe und Weihbischöfe aus den 27 deutschen Diözesen in Fulda unter anderem mit Europa. Das Fehlen eines ausdrücklichen Bezugs auf das christlich-jüdische Erbe in der geplanten europäischen Verfassung sei "nicht akzeptabel", betonte Lehmann. Weiter warnten die Bischöfe vor Bestrebungen in der Europäischen Union, aktive Sterbehilfe nicht mehr unter Strafe zu stellen und die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu fördern. Die EU müsse sich auch "als eine Wertegemeinschaft verstehen".
Das Kopftuch-Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVG) wird nach Überzeugung der katholischen Bischöfe weitreichende und bislang noch unüberschaubare Folgen haben. Das gelte nicht nur für moslemische, sondern "möglicherweise auch für christliche Lehrerinnen und Lehrer und darüber hinaus für den Stellenwert von Religion in unseren öffentlichen Schulen überhaupt" erklärte Lehmann. An der nun notwendigen Diskussion werde sich die katholische Kirche intensiv beteiligen. Dabei gehe es auch um die Integration der Menschen moslemischen Glaubens, die Rechte moslemischer Schülerinnen und die Gleichstellung von Mann und Frau. Soweit Lehrerinnen das Tragen religiöser Symbole verboten werde, müsse dabei auch die Bedeutung des jeweiligen Symbols beachtet werden.
Zu den Beitrittsbestrebungen der Türkei in die Europäische Union sagte Lehmann, dies sei "im wesentlichen eine politische und keine religiöse Frage". Aufnahmekriterium sei allerdings auch die Achtung der Menschenrechte, einschließlich der Religionsfreiheit. Parlamentarisch habe das Land hier "erhebliche Fortschritte gemacht". Dennoch berichteten aber die drei türkischen Bischöfe weiterhin von Schwierigkeiten bei der Religionsausübung durch Christen, etwa beim Bau von Kirchen.
26. September 2003 - 15.00 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2003
